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2015

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RAMAYANA

Schauspiel von David Farr
Deutsch von Henry Mason

Eine Produktion des Theaters der Jugend

 

mit Rafael Schuchter, Iréna Flury, Andreas Kammerzelt, Christian Graf, Lukas Sartori, Daniel Jeroma, Joachim Rathke und Katharina Solzbacher

 

Bühne Vinzenz Gertler

Kostüm Jan Meier

Puppendesign und -bau Rebekah Wild

 

Es ist ein Stoff, aus dem die Träume sind und – neben der Mahabharata – das zweite große indische Nationalepos: Die "Ramayana" erzählt vom Kronprinzen Rama, der eine glückliche Kindheit verbringt, bis ihm eines Tages die Verbannung in die Wildnis droht. Zur Tragödie mutiert sein Leben, als seine Frau Sita vom schrecklichen Dämonenkönig Ravana entführt wird. Gemeinsam mit dem Affen Hanuman macht sich Rama auf, seine Geliebte aus den Fängen des Bösen zu befreien.


Bis heute bewegt diese große Lebens- und Liebesgeschichte die Menschen weit über
Indiens Grenzen hinaus. Sie ist nicht nur Symbol für ein fern in der Vergangenheit zurückliegendes Goldenes Zeitalter, sondern ihre Hauptfigur, Prinz Rama, wird gemeinhin als Inkarnation des Gottes Vishnu angesehen. Und so mancher wird in der frühen fernöstlichen Handlung Parallelen zu den antiken griechischen Dichtern Homer und Ovid finden, aber auch Szenarios entdecken, die uns aus der Dramenwelt eines William Shakespeare vertraut erscheinen. (Text: Theater der Jugend)

Wenn man eine etwa zweitausend Jahre alte, sehr komplexe Geschichte aus Indiens Götter – und Heldenwelt der Wiener Jugend von heute näher bringen will, so ist das ein sehr mutiges Unterfangen. Dass es so grandios gelungen ist, dass die sonst auf cool und blasiert machenden Teenager voll mitgegangen sind, mucksmäuschenstill waren und dann zum Schluss in wahre Begeisterungsstürme ausgebrochen sind, ist in erster Linie Regisseur Henry Mason zu verdanken, der wahre Wunder vollbracht hat. Zugrunde lag ihm dabei die äußerst geschickte Dramatisierung des Briten David Farr.
Unterstützt wurde er bei diesem Vorhaben von einem sehr fähigen Team. Vinzenz Karl Gertler gestaltete dabei die so praktische wie stimmungsvolle Bühne, die farbenprächtigen Kostüme stammen von Jan Meier: Ganz possierlich sind die Affen mit stehendem Kringelschwanz und Gesichtsbehaarung ausgefallen.
Mit einfachen Mitteln wurde indische Atmosphäre auf die Bühne gezaubert, die von Blau- und Gold-Tönen dominiert wird. Ein aufklappbarer runder Baukörper im Zentrum des Geschehens kann mit wenigen Accessoires von einer Palastanlage zu einem Tempel, vom Dschungel in ein Schlachtfeld verwandelt werden.
Das ganze wäre natürlich sinnlos, wenn nicht eine begnadete Truppe von sieben exzellenten Schauspielern, mit Ausnahme der Helden jeweils mit mehrfachen Rollen bedacht, diese hinduistische Geschichte, einen Klassiker der Weltliteratur, zum Leben erweckt hätten. Henry Mason hat mit Anleihen an östliches Theater – von javanischen Puppen bis japanisches Bunraku – und bei westlichen Theaterformen (etwa Slapstick) die Geschichte immer spannend vorangetrieben. Mit einfachsten Mitteln, zum Beispiel einigen Bambusstäben und drei Stabpuppenfiguren, wurde farbenprächtig und klar eine 10000 Kilometer lange Brücke durch ein ganzes Meer gebaut und überwunden. Die Zuschauer wurden voll integriert, die Schauspieler nutzen auch den Zuschauerraum, um große Menschenmengen zu suggerieren.
Ein großes Kompliment gebührt Sebastian Pass der kurzfristig eine der Hauptrollen, den Affenkönig Hanuman, übernommen hat und durchaus mit dem hohen Niveau seiner sechs Kollegen mithalten konnte. Christian Graf legte eine Knallcharge hin, eine geile Dämonin mit Superhängebusen, das den ernsten Charakter des Stücks über Ehre, Treue und Worthalten auflockerte. Katharina Solzbacher lieferte in einer ihrer vielen Rollen eine intrigante Königin.
Der Hingucker des Stückes war natürlich die hübsche, schlanke Iréna Flury, die nicht nur glaubhaft die Seelenqualen der entführten Gattin Sita verkörperte, sondern auch einen Sari sehr vorteilhaft zu tragen verstand. Die Kampfszenen zwischen dem Gatten Ram (Manolo Palma) und dem Bösewicht, dem König der Dämonen (Andreas Kammerzelt), waren im wahrsten Sinne des Wortes bühnenreif. Joachim Rathke als u.a. alter König und Daniel Jeroma als Rams Bruder ergänzten auf hohem Niveau.
Dieser Theaterabend, der im Theater der Jugend stattfindet, verdient dennoch nicht nur ein jugendliches Publikum, sondern wäre auch für jeden erwachsenen Zuschauer eine Bereicherung. Gespielt wird noch bis zum 28. April.

www.der-neue-merker.eu,14.04.2015

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Manolo Palma (Rama) © Rita Newman

2014

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DER ZAUBERER VON OZ

Musical nach dem Buch von Frank L. Baum
Musik und Lieder von Harold Arlen und E.Y.Harburg
Buch nach dem MGM-Film von John Kane

Regie Henry Mason Musikalische Leitung Lorenz C. Aichner Bühne und Kostüm Jan Meier Choreographie Francesc Abós Lichtdesign Mario Ilsanker Puppenbau Rebekah Wild

 

„The Wonderful Wizard of Oz“ von L. Frank Baum ist Amerikas wohl berühmteste Märchenerzählung, die durch die Verfilmung mit der jungen Judy Garland (1939) weltweit Kultstatus erhielt. Das bekannteste Lied daraus, „Over the Rainbow“ von Harold Arlen und Yip Harburg, wurde 1940 mit dem Oscar ausgezeichnet. Erstmals an der Volksoper ist nun die 1987 für die Royal Shakespeare Company erstellte Bühnenfassung des Meisterwerkes zu erleben.

So sieht ein programmierter Hit aus, so hört sich ein sicherer Hit an. Mit „Der Zauberer von Oz“ hat die Wiener Volksoper einen Volltreffer gelandet, der Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen begeistern dürfte.
Denn was Regisseur Henry Mason und sein Ausstatter Jan Meier aus Frank Baums 1939 (mit Judy Garland ) verfilmten Stoff machen, ist großartig. Bunt, aber nie grell, sehr charmant und geschmackvoll kommt die Geschichte rund um das Mädchen Dorothy, die von Kansas in das Fantasiereich Oz verschlagen wird, daher. Tolle Kostüme, herrliche Pointen, eine gute Choreografie lassen nicht nur Kinderherzen höher schlagen. Dass auch viel Raum für Zwischentöne bleibt, ist sehr erfreulich.
Gleiches gilt für die musikalische Seite: Dirigent Lorenz C. Aichner hat das Orchester und die Chöre (stark der Kinder-und Jugendchor) des Hauses im Griff; die Besetzung kann sich hören lassen und glänzt durch Spielfreude. Johanna Arrouas ist eine entzückende, glaubhafte Dorothy, Christian Graf brilliert als böse Hexe des Westens. Peter Lesiak als Vogelscheuche, Oliver Liebl als Blechmann und Martin Bermoser als feiger Löwe sind Dorothys hinreißende Gefährten. Und Hausherr Robert Meyer hat als Zauberer eine neue Paraderolle gefunden. Einhelliger, frenetischer Jubel für alle.

Kurier (Nachtkritik), 7.12.2014

Wie schön doch 2D sein kann! Kulissen, die nicht verbergen, dass sie solche sind, und eine gesunde Menge an Fantasie: Der Wiener Volksoper ist mit dem Musical "Der Zauberer von Oz" gelungen, eine zauberhafte, unaufgeregt ernsthafte und vor allem trotz dreistündiger Spieldauer kurzweilige Produktion für Jung und Alt auf die Bühne zu bringen.
Genannte Ingredienzen - ergänzt um liebevoll-detaillierte Ausstattung und hervorragende Akteure wie am Samstagabend vom Kinderchor über das Wiener Staatsballett bis zu Volksoperndirektor Robert Meyer als Zauberer höchstpersönlich - vermisst man im gehobenen Kinder- und Jugendtheater mittlerweile allzu oft [...] Langer Jubel für einen kurzweiligen Abend.

APA, 7.12.2014

Die Wiener Volksoper bleibt weiterhin auf Erfolgskurs. Und sie liefert alle Ingredienzien für das „Erfolgsrezept“ mit. [...] Man benötigt eine bunte, märchenhafte Produktion, eine exzellente Besetzung und ein Publikum, das sich den Träumen der Kinder ohne Einschränkungen hingibt. All das ist in der Volksoper vorhanden. Henry Mason, der Regisseur wurde zwar 1974 in London geboren, seine Theater-Karriere fand aber in Dortmund, Klagenfurt, Linz, Salzburg und Wien statt. „Der Zauberer von Oz“ hat Witz und Schwung – nur manchmal wird der Text zu sehr „zelebriert“. Insgesamt dennoch: das große Lob!
Für Ausstattung und Kostüme zeichnet Jan Meier verantwortlich. Farbenpracht und Stilvielfalt dominieren. Ein üppiges Mohn-Feld und die blaugrüne Smaragd-Stadt haften besonders im Gedächtnis. [...] Witzig die Choreographie von Francesc Abos. Und ideal die Besetzung [...] Der Jubel war groß und ehrlich. Und die Volksoper hat einen Hit mehr zu bieten.

Der neue Merker, 7.12.2014

Henry Mason inszenierte an der Volksoper Harold Arlens Musical “Der Zauberer von Oz” nach dem Roman von L.Frank Baum, und das ist ihm so hinreißend gelungen, dass man gar nicht weiß, wo anfangen zu erzählen. Masons Arbeit ist komplett große Broadwayshow. Der Abend ist der Stoff, aus dem die Publikumslieblinge gemacht werden. Und da ist das Hündchen Toto, bewegt von Puppenspieler Daniel Jeroma, der die ganze Zeit über mit auf der Bühne ist. Es ist schon was anderes, hätte man Dorothy ein lebloses Plüschtier unter den Arm geklemmt, als hier ein Wesen, das wedeln, winseln und Mitspieler abbusseln kann. Für die Idee das erste Bravo.

mottingers-meinung.at, 7.12.2014

Märchenhafter Erfolg: Musicalzauber für Groß und Klein an der Volksoper.
Noch ist das Musical nicht verloren. Zwar stimmt es, dass die guten Neuheiten längst alt sind. Mit betagten Stoffen lässt sich aber immer noch ein Staat machen, nicht zuletzt mit einschlägigen Filmklassikern. Ein cineastischer und familienfreundlicher Held nun auch an der Volksoper: "Der Zauberer von Oz" schwingt da seit Samstag den Zauberstab.
Er tut dies nicht nur im Dienste der Kleinen. Schon der Wortwitz der Übersetzung bürgt dafür, dass auch Erwachsenen-Bäuche beben. Das Hauptlob gebührt aber Regisseur Henry Mason, dem hier so etwas gelingt wie die Quadratur des Kreises. Einerseits versorgt die Ausstattungswundertüte (Jan Meier) Groß und Klein gleichermaßen: Da braust die gute Hexe im Flugei an, da stecken die possierlichen Munchkins in Schottenkaros, da blitzen aber auch Anspielungen an die Verfilmung mit Judy Garland (1939) auf und an die goldene Swingära, der Harold Arlens Songs entstammen.
Andererseits vermeidet Mason ein Zuviel an Klimbim. Und indem er das Gros der Bühne meist unverbaut lässt, öffnet er nicht nur Spielraum für Slapstick und Revuetänze (Francesc Abós), sondern vor allem: für die Fantasie, die in diesem Märchen ein hohes Gut ist. Immerhin imaginiert sich die kleine Dorothy mit ihrem Hund nach Oz und hilft dort drei (scheinbar) defizitären Freunden, ihre Lebensträume zu verwirklichen.
In der Volksoper geht dies zwar technicolorbunt, aber meist mit schlichten Mitteln vonstatten: Dorothys Wauzi ist aus Stoff gefertigt und wird von einem Hundepuppenführer bewegt, das Bühnenbild ist meist nur 2D, aber stets fantasieanregend - vom Kulissen-Haus in Kansas bis zur Smaragdstadt, in der der (auch nur: scheinbar!) großmächtige Zauberer wohnt.
Direktor Robert Meyer verkörpert ihn mit markiger Selbstironie und reiht sich damit in ein agiles Ensemble ein: Johanna Arrouas (Dorothy) glänzt als putziges Energiebündel, Peter Lesiak (Vogelscheuche) ragt mit warmer Singstimme aus Dorothys Begleitertrio hervor, und Christian Graf ist als giftgrüne Hexe ein herrlicher Bosnigl.

Wiener Zeitung, 8.12.2014

Der Hollywood-All-Time-Klassiker „Der Zauberer von Oz“ sorgt in einer überzeugenden, kunterbunten Bühnenfassung für beste Musicallaune.
Henry Mason hat sehr geschickt und mit leichter Hand Regie geführt und Jan Meier sich eine fantasievoll bunte Ausstattung ausgedacht, die dezent jeglichem Musical-Kitsch ausweicht und mit allerlei Vorhängen und filmischen Mitteln raffiniert die fließende Verwandlung der vielen Schauplätze erlaubt.
Natürlich hat man sich am Film orientiert und dabei doch eine sehr eigenständige Bildsprache gefunden. Toto der Hund ist eine herzige, von einem Schauspieler (Daniel Jeroma) geführte Puppe, was schönen Effekt macht. Die Bühnenfassung erlaubt es auch, Szenen, wie den mitreißenden „Jitterbug“ (Choreografie: Francesc Abós), der aus dem Film herausgeschnitten wurde, zu zeigen. [...]
Den Vogel schießen der Kinder- und Jugendchor der Volksoper ab (Einstudierung: Lucio Golino und Brigitte Lehr), deren Mitglieder als minierwachsene Bewohner von Munchkin mit ansteckender Begeisterung über die Bühne wirbeln und dazu so großartig singen und tanzen, dass man seinen Augen und Ohren nicht traut [...] Dirigent Lorenz C. Aichner sorgt gemeinsam mit Orchester und Chor für den rechten Schwung – und die Volksoper hat einen neuen Musicalhit für Jung bis Alt im Repertoire.

Die Presse, 8.12.2014

Viel Applaus und Jubel für eine höchst gelungene, schwungvoll phantasievolle Musicalproduktion an der Wiener Volksoper: Am Samstag hatte "Der Zauberer von Oz" in der märchenhaft bunten und doch in die Tiefe gehenden Inszenierung von Henry Mason Premiere. Der in Oberösterreich bestens bekannte Regisseur erzählt die Geschichte ohne große Schnörkel, thematisiert aber dabei auch die Wünsche und Sehnsüchte des Erwachsenwerdens, die Kraft, gemeinsam etwas bewirken und damit Mut, Herz und Hirn nicht nur zu beweisen, sondern auch erweitern und vergrößern zu können.
Das Eintauchen in die psychologischen Tiefen des Stückes und vor allem die mit viel Liebe zum Detail und einer fast kindlich naiv realistischen Phantasie erstellte Umsetzung des Stoffes begeisterten.
Viel dazu beigetragen haben die faszinierend vielgestaltigen Bühnenbilder und Kostüme (Jan Meier), die beeindruckende Lichtgestaltung (Mario Ilsanker) und eine dem Stück mehr als gerecht werdende, höchst wirkungsvolle Choreographie von Francesc Abós. Alles zusammen war ideal vernetzt, was eine perfekte, nicht nur die Kinder verzaubernde Show gelingen ließ.

OÖ Nachrichten, 9.12.2014

Eine großartige Liebeserklärung an die Fantasie und das Theater: Mit "Der Zauberer von Oz" landet die Volksoper einen absoluten Hit mit Haltbarkeitsgarantie.
Da sage noch einer, Musical sei ein knallbuntes, grelles, rein oberflächliches Spektakel ganz ohne Tiefgang. Nein, es geht auch anders. Das beweist die Wiener Volksoper mit ihrer großartigen Neuproduktion "Der Zauberer von Oz", die vor allem eines ist: Ein Triumph der Fantasie und einer des Theaters.
Denn was Regisseur Henry Mason und sein kongenialer Ausstatter (was für herrliche Kostüme!) Jan Meier aus Frank Baums Roman und den Songs von Harold Arlen sowie E. Y. Harburg machen, ist einfach entzückend, hat Witz, Charme, Stil und Klasse.
Da bedarf es keines Brimboriums und auch keiner Holzhammer-Ästhetik, um die Geschichte des Mädchen Dorothy, das im Zauberland Oz allerlei Abenteuer zu bestehen hat, schnörkellos und liebevoll zu erzählen. In der stringenten, für die Royal Shakespeare Company 1987 erstellten Bühnen-Fassung ist dennoch alles da, was das Theaterherz begehrt.
Flotte Verwandlungen (dank unzähliger, toller Tableaus), schwungvoll-elegante Balletteinlagen (fein die Choreografie von Francesc Abós) sowie perfekt arrangierte Chor-und Massenszenen (Kompliment auch an den Kinder- und Jugendchor des Hauses) – dieser "Zauberer von Oz" besticht durch Details und ein Feuerwerk an guten Ideen.
Denn Mason und sein Team vertrauen der Vorlage, zeichnen echte Charaktere, sorgen für starke Effekte, haben auch an den Dialogen (bis auf "Over the Rainbow" wird alles auf Deutsch gesungen) sehr gut gearbeitet. Zwei, drei Längen lassen sich noch korrigieren. Der Lachfaktor ist hoch, ein paar gruselige Stellen (mit Video-Wall und Zitaten!) gibt es auch. Dennoch bleibt alles kindgerecht. [...] Der Enthusiasmus aller Beteiligten überträgt sich dabei mühelos auf das Publikum. [...] Jubel für alle Beteiligten.

Kurier, 8.12.2014

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Oliver Liebl (Blechmann) © Barbara Pálffy/Volksoper
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GANZ UNTER UNS

(Just Between Ourselves)

von Alan Ayckbourn
Deutsch von Ursula Grützmacher-Tabori

Eine Produktion des Theaters in der Kulturfabrik Helfenberg

22.Juli bis 10.August 2014

 

mit Ingrid Höller, John F. Kutil, Stephanie Katharina Schreiter, Rafael Schuchter
und Brigitta Waschnig

 

Bühne: Isabella Reder

Kostüme: Anna Katharina Jaritz

Licht und Ton: Franz Flieger Stögner

 

Der joviale Dennis verbringt seine Freizeit am liebsten mit stümperhaften Bastelarbeiten in der Garage, während sich im Haus seine Frau Vera und seine Mutter Marjorie erbitterte Grabenkämpfe liefern. Weil Vera (ganz unter uns) ein paar gesundheitliche Probleme hat und kaum mehr aus dem Haus kommt, denkt Dennis daran, ihr Auto zu verkaufen.

 

Eben dieses Auto überlegt der zurückhaltende Neil als Geburtstagsgeschenk für seine Frau Pamela zu kaufen. Dass die Klapperkiste nicht anspringt, die Garagentür klemmt und die frustrierte Pamela von Neils Geschenk partout nichts wissen will, ist nur der Anfang einer wunderbaren Freundschaft zwischen den beiden Paaren, deren Ehen (ganz unter uns) von Tag zu Tag tiefer in die Krise schlittern.

 

„Ganz unter uns“ ist eine rabenschwarze Tragikomödie von Englands erfolgreichstem lebenden Dramatiker, Alan Ayckbourn, aus dem Jahr 1976, bei der einem das Lachen zunehmend im Hals stecken bleibt.

 

Über den Verlauf eines Jahres erleben wir an vier verschiedenen Geburtstagen krampfhaften Smalltalk, Seelenkrisen an der Werkbank und Alltagskatastrophen bei Kaffee und Kuchen, die ans Eingemachte gehen. Eine großartige, brutale Komödie von Männern und Frauen, die aneinander verzweifeln, und von Hilferufen, die zu spät gehört werden. Eines ist gewiss: Das Leben ist hart, aber dafür grausam. Und es vergeht verdammt schnell.

"Ganz unter uns" heißt es heuer in der Kulturfabrik Helfenberg, wo Henry Mason sich um Alan Ayckbourns geschwätzige Tragikomödie annimmt, bei der man immer wieder lachen muss - obwohl man doch weiß, dass das alles eigentlich zum Weinen ist. Eine Art turbulente Familienaufstellung der ganz besonderen Sorte. [...] Es passiert nicht viel in dieser punktgenauen Inszenierung, für die Isabella Reder einfach eine Garage mit "durchsichtigen" Wänden in den Raum gestellt hat. Dafür wird sehr viel geredet - und das gerät zu einem regelrechten Schauspielerfest! John F. Kutil versteckt sich als Dennis hinter seinen nicht enden wollenden Worteruptionen. Er ist immer das Kind seiner Mutter geblieben, die Ingrid Höller mit einer umwerfend zuckersüßen Altersschärfe in den Raum knallt. Seine Frau Vera (Stephanie Katharina Schreiter: sehr fein, sehr eindringlich) stört da nur. Keine leichte Sommerkost - dafür große Darstellerkunst!

Kronen Zeitung, 24.Juli 2014

Aneinander vorbeizureden, die Unfähigkeit, Bedürfnisse des anderen zu erkennen, ist unausrottbarer Beziehungskiller, seit sich der Mensch paart. Das Publikum kennt, was da geboten wird. [...] Alles ist glaubhaft verworren und im Ayckbournschen Sinn überdreht. Stephanie Katharina Schreiter kippt bemerkenswert vom ringenden Blondchen zur sturen Realitätsverweigerung. Ingrid Höller ist eine blendende Mutter-Kanaille, die erst Ruhe gibt, als Vera besiegt ist. Neil scheint wie für Rafael Schuchter geschrieben worden zu sein. [...] Alles wälzt sich dem Schrecken entgegen, ausweglos, aber im lustigen Gewand. Großer Premierenapplaus.

OÖ Nachrichten, 24.7.2014

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Stephanie Katharina Schreiter (Vera), Ingrid Höller (Marjorie), John F. Kutil (Dennis) © Klaus Huemer
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DIE UNENDLICHE GESCHICHTE

Teil II: Die Schlacht um den Elfenbeinturm

von Henry Mason
nach dem Roman von Michael Ende

Pressepremiere am 20.Mai 2014

 

Bühne und Kostüme: Jan Meier und Ingrid Erb

Figurenbau und -training: Rebekah Wild

Musik: Thomas Zaufke

Ton: Franz Flieger Stögner

Bewegungscoach: Lorna Dawson

Kampftraining: Mel Stein

Lichtdesign: Christian Holemy

Musikalische Einstudierung: Stephanie Hacker

Glücksritter auf Sinnsuche - "Die unendliche Geschichte" als effektvolles Spektakel im Theater der Jugend

Bücherlesen ist mitunter gefährlich. Bestes Beispiel für die Abenteuer, in die Vielleser geraten können, ist wohl Michael Endes Kinderbuchklassiker "Die unendliche Geschichte". Der Fantasy-Roman, 1979 veröffentlicht, ist nun in zwei Teilen im Theater der Jugend herausgekommen. Teil eins der Adaption von Bastian Balthasar Buxens Irrfahrten feierte im Herbst Premiere. Der zweite Teil - "Die Schlacht um den Elfenbeinturm" - ist derzeit im Renaissancetheater zu sehen.
Der Büchernarr Bastian (konzentriert: Stefan Rosenthal) erhält nach der Rettung Phantásiens den Auftrag, die Fantasiewelt nach seinen Wünschen neu zu gestalten. Durch diese Allmacht schlittert der Protagonist in eine veritable Krise. Die Erschaffung von Phantásien ist demnach eine Reise zu seinem wahren Selbst.
Durch die komplexe und episodenreiche Handlung führt Regisseur Henry Mason mit einem Feuerwerk an effektvollen Regieeinfällen. Es ist eine opulente Inszenierung mit gelungenen Musikeinlagen, dramatischen Kampfszenen, eleganter Choreografie, überzeugendem Puppenspiel - der Glücksdrache Fuchur sieht aus wie ein Drache aus chinesischen Straßenumzügen - und üppigen Kostümen, die an Fantasy-Verfilmungen wie "Der Herr der Ringe" erinnern.

Wiener Zeitung, 22.05.2014

Wieder einmal möchte ich mich melden und mich für die großartige Vorstellung gestern der "Unendlichen Geschichte 2" bedanken. Diesmal war es [mein Sohn], der mir das aufgetragen hat, weil er so über alle Maßen fasziniert und gefesselt war von euch allen! Und das sagt einer, der eigentlich nur an Fußball und PC-Spielen interessiert ist und kaum jemals ein Buch in die Hand nimmt. Ihr schafft es mit eurem Engagement und dieser besondern Form der Liebe zu dem, was ihr tut, und wie ihr es tut, das Publikum nicht nur zu begeistern, sondern auch in dieser Liebe baden zu lassen. Bei Viktor hat es transformierend gewirkt. Nicht nur dass er Theater mag, will er jetzt gerne wieder ein Buch lesen. Wenn das kein Erfolg ist?

Publikumsstimme, 18.5.2014

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Stefan Rosenthal (Bastian Balthasar Bux), Rafael Schuchter (Graógramán) © Rita Newman

2013

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DIE UNENDLICHE GESCHICHTE

Teil I: Phantásien in Not

von Henry Mason
nach dem Roman von Michael Ende

Bühne und Kostüme: Jan Meier

Figurenbau und -training: Rebekah Wild

Musik: Thomas Zaufke

Ton: Franz Flieger Stögner

Bewegungscoach: Lorna Dawson

Lichtdesign: Christian Holemy

Vollendete Liebeserklärung an die Fantasie, das Lesen und das Theater
So sieht ein Saisonauftakt nach Maß aus: Mit Michael Endes „Die unendliche Geschichte“ hat das Theater der Jugend im Wiener Renaissancetheater einen vollen Erfolg gelandet. Und das hat mehrere Gründe.
Da wäre zunächst die großartige Bühnenfassung von Henry Mason, der diesen ersten Teil („Phantásien in Not“) auch wunderbar leicht und spielerisch in Szene gesetzt hat. Mason hält sich an Buch und Film, bringt aber viele eigenständige Ideen ein. Und der Regisseur verzichtet darauf, seine Schauspieler in allerlei Fantasie-Kostüme zu stecken, hantiert stattdessen überaus gekonnt mit einzelnen Kostüm- und Requisitenversatzstücken.
Immer ist klar: Hier wird Theater gespielt. Ein Sonderlob gebührt den Figuren-Designern, die Phántasien und seine Bewohner wunderbar zum Leben erweckt haben. Also darf der Schüler Bastian mit Atréju und dem Glücksdrachen Fuchur im idealen Ambiente (Ausstattung: Jan Meier) gegen das die Fantasie auffressende Nichts antreten.
Das exzellente Ensemble (u.a. Stefan Rosenthal, Benjamin Levent Krause, Barbara Spitz, Nora Dirisamer, Tanja Raunig, Uwe Achilles) macht Lust auf mehr. Im Mai folgt Teil 2. Gut so!

Kurier, 10.10.2013

Das Theater der Jugend zeigt den ersten Teil der „Unendlichen Geschichte“ in der Fassung und Regie von Henry Mason; Ausstattung: Jan Meier. [...] Der wunderbare Text des deutschen Erfolgsautors wird da klug, mit Feingefühl, ja berührend umgesetzt. Eine Geschichte, die Kinder in eine irreale Welt entführt und ihnen Glücksgefühle beschert. [...] Gnome, Nixen, Goldsphinxen: Die Phantasie von Regisseur und Ausstatter sind keine Grenzen gesetzt.

Kronen Zeitung, 10.10.2013

"Die unendliche Geschichte" ist ziemlich lang. Auch im Theater der Jugend, wo gestern, Dienstag, die Bühnenfassung von Regisseur Henry Mason Premiere feierte. Michael Endes epische Hommage an die Fantasie hielt aber auch das junge Renaissancetheater-Publikum (ab sechs Jahren) durchgehend bei der Stange: Mit liebevoller Requisite, deren Grenzen zum quirligen Ensemble fließend sind, gelingt das Kunststück, den Zauber des zeitlosen Kinderbuchs auch jenseits des Werks zu vermitteln.

Das Buch steht natürlich trotzdem im Zentrum. Schließlich ist Bastian Balthasar Bux (von Stefan Rosenthal berührend gespielt) ein so begeisterter Leser, dass er sich mit dem soeben aus dem Antiquariat gestohlenen Band am Dachboden seiner Schule und auf einem Stapel Turnmatten verschanzt, um sich ganz in die Geschichte vertiefen zu können. "Phantásien in Not" liest er über dem ersten Kapitel, und so nennt sich auch "Teil eins" des Fortsetzungstheaters - die Premiere des zweiten Teils folgt im Mai. Das bedrohte Fantasie-Reich mit seiner kindlichen Kaiserin, dem Helden Atreju, den Bewohnern Blubb und Urgl, Ückück und Gmork, dem Glücksdrachen Fuchur, der "uralten Morla" oder dem Insektenschwarm "Ygramul die viele" wird schon bald inmitten des Dachbodens lebendig.

Ähnlich wie Ygramul funktioniert dabei das ganze Ensemble: Wie ein einziger,vielgliedriger Körper wandeln sich die Darsteller blitzschnell, jeder mit diversen mobilen Requisiten bewaffnet, von der Schulklasse zu Puppenspielern, von bunten Fantasiewesen zu schwarzgewandeten Bühnengehilfen. Getreu der Botschaft des Buches, dass alles möglich ist, was wir uns vorzustellen vermögen, werden auch die Regeln der Bühnendramaturgie im Handumdrehen ausgelotet, überschritten und neu geschrieben. Jeder kann alles sein, sofort, wenn es sein muss. Atreju wird kurz mal zur Holzpuppe, wenn er auf Fuchur durch die Luft schwebt und landet, als er abstürzt, sogleich wieder als ganzer Mensch (energisch: Benjamin Levent Krause) auf dem Boden.

Obwohl diese "unendliche Geschichte" sich immer wieder stark an die kultige Verfilmung aus den 80er-Jahren anlehnt, ist sie letztlich doch eine auch für kleine Kinder unmissverständliche Liebeserklärung an das Buch und an das Lesen. Sie führt spielerisch vor Augen, dass die Tür zum riesigen Reich der eigenen Vorstellungskraft, zum grenzenlosen Phantasien, auch dann noch einen Spalt weit offensteht, wenn Konsumdruck, Leistungswahn, Langeweile oder eben das "Nichts" sich in unserem Alltag bereits ausgebreitet haben. Dieser Fingerzeig ins Innere dürfte auch mancher erwachsenen Begleitperson nicht schaden.

apa, 9.10.2013

Höchst gelungener Auftakt der neuen Saison des Theaters der Jugend (Wien) mit Teil 1 von Michael Endes "Unendlicher Geschichte".
Michael Endes „Unendliche Geschichte“ in einem anderen Medium als Buch zu bearbeiten ist eine (fast) unendliche Herausforderung. Immerhin lebt doch die fantasievolle Geschichte mit fantastischen Figuren, Wesen und Szenen, die selbst wieder ein Plädoyer für Fantasie sind, davon, dass sich jede und jeder beim Lesen eigene Bilder im Kopf schafft, die eigene Fantasie vielleicht beflügelt.
Und doch gibt es Verfilmungen, Theater- und Musicalversionen. Nicht immer sehr gelungene. Das Theater der Jugend in Wien eröffnet die diesjährige Saison mit „Phantásien in Not“ und wird das Spieljahr im Mai und Juni mit der „Schlacht um den Elfenbeinturm“ als Teil zwei der Unendlichen Geschichte ausklingen lassen.
Und mit Teil 1 ist dem Ensemble auf der Bühne im Bündnis mit dem Team hinter den Kulissen gelungen, was nicht so leicht ist: Trotz vieler AkteurInnen, vieler Schauplatzwechsel, vieler riesiger bis fast winzigkleiner Figuren, trotz Einsatz eines beträchtlichen Teils der großen Maschinerie, die das Renaissancetheater hergibt, bleibt viel Raum für weiterspinnende Bilder im Kopf jedes einzelnen Zuschauers und jeder einzelnen Zuschauerin – ob 6 Jahre jung (ab diesem Alter ist das Stück geeignet, da sind auch die fast zweieinhalb Stunden – mit einer Pause - nie zu lang) oder gut zehn Mal so alt.

KInderKurier, 8.10.2013

Heute haben mein Sohn und ich und die "Unendliche Geschichte" angesehen und waren so unendlich begeistert wie schon lange nicht mehr von einem Theaterstück. Alles war phantastisch! Mir sind vor lauter Rührung zum Schluss nur mehr die Tränen heruntergeronnen, so schön waren die Inszenierung, die Musik und die wirklich unendlich engagierten, großartigen Schauspieler. Sowohl Kostüme als auch die Lieder haben mein Herz sehr berührt. Ein wunderbares Erlebnis.

Publikumsstimme, 14.10.2013

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Stefan Rosenthal (Bastian Balthasar Bux), Benjamin Levent Krause (Atréju) © Rita Newman
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EIN SOMMERNACHTSTRAUM

von William Shakespeare
mit der Schauspielmusik von Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 61
in der Übersetzung und Fassung von Henry Mason

Musikalische Leitung: Ivor Bolton

Es spielt das Mozarteum Orchester

Bühne und Kostüme: Jan Meier

Choreographie: Francesc Abós

Zauberhafter "Sommernachtstraum" in Salzburg: Shakespeare und Mendelssohn in selten lauer Sommernacht

Ja, dieser Puck. Treibt uns vor sich her, führt uns in die Irre, panscht mit den Säften der Liebe, hat seine boshafte Freude am Durcheinander der Gefühle und kriegt es am Ende doch irgendwie hin. William Shakespeares Frühwerk "Ein Sommernachtstraum" ist die wohl pointierteste und zugleich unterhaltsamste Parabel auf menschliche Unzulänglichkeiten, vor allem in Liebesangelegenheiten. Das Premierenpublikum der Salzburger Festspiele war entzückt und ließ sich Samstagnacht verzaubern. Jubel für alle nach diesem Fest für Theater und Musik im Hof der Residenz.
Die Luft war in Salzburg an diesem Abend selten lau und schwanger. Genau wie "Hippolyta" die Königin der Amazonen. Sie wird ihren Theseus heiraten, aber der muss sich um seine Amtsgeschäfte kümmern und die störrische "Hermia" zur Heirats-Raison bringen. Wirklich entschieden wird das Geschick von uns Sterblichen aber von den Elfen und Zwischenwesen.
Regisseur Henry Mason hat den Salzburger "Sommernachtstraum" mit der Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy nicht nur inszeniert, sondern auch neu übersetzt. Und zwar frei, frech und modern. Nicht ohne den einen oder anderen flapsigen, modisch-witzigen Einwurf, der nicht ewig brauchbar sein wird. Aber gestern Nacht lief alles rund und amüsant wie sommerliches Freilufttheater nur sein kann.
Mason und sein Bühnenbildner Jan Meier haben das Mozarteum Orchester auf eine Tribüne hoch über die eigentliche Bühne gesetzt. Damit gewinnen die beiden an Tiefe, die der Residenzhof eigentlich nicht hat. Nur dort, im undurchsichtigen Wald, ist der richtige Platz für die Ränkespiele der Halbwesen und die Verwirrungen der Liebe, die in ihrem Wahnwitz schmerzhaft ans Herz gehen.
Spielerisch leicht verbindet der Regisseur die moderne, gegenwärtige Spielebene der fürstlichen Hochzeit mit dem antiken Treiben der Geister und der ohnehin zeitlosen Tollpatschigkeit aller Verliebten. Da versagt auch das satellitengestützte Navigationssystem kläglich und ist so sympathisch-lächerlich wie der Mond aus LED-Lampen um den Hals von Laienschauspieler "Robbie Schlucker". Nichts bockt und wehrt sich in dieser Inszenierung, in der sogar die Liaison von Esel und Elfenkönigin "Titania" tolerant und gnädig stimmt - warum denn nicht? Aber Shakespeares "Puck" und Meister "Oberon" haben andere Pläne, und träumen wird man wohl noch dürfen...
Mendelssohns Schauspielmusik nimmt 45 der 160 Spielminuten für sich. Mason hat die Musik mit seinem Spiel überlagert, Texte darübergelegt und ihr trotzdem kein Haar gekrümmt. Wir sind nicht in der Oper, Gott sei Dank. So darf ein frecher Elb dem Dirigenten den Stab entreißen und linkisch selbst dirigieren. Spaßettl und Verspieltheiten wie diese aber dienen dem Stück, zaubern Atmosphäre und formen sich am Ende zu einem entzückenden Ganzen. Nur eines will man vermeiden in diesem Sommernachtstraum: All zu schnell wieder aufwachen.
An Schauspielern haben die Festspiele Freelancer aus der Schweiz, Deutschland und Österreich zusammengetrommelt und daraus ein durch die Bank sehr gutes Ensemble geformt, das durch zwei Tänzer, zwei Gesangssolistinnen und ein Vokalensemble seriös und auf hohem Niveau ergänzt wird. Explizit zu nennen sind Michael Rotschopf (Theseus/Oberon), Karoline Eichhorn (Hippolyta/Titania), Markus Meyer (Puck) und die "verwirrt Verliebten" Tanja Raunig, Daniel Jeroma, Claudius von Stolzmann und Eva Maria Sommersberg. Dazu natürlich die "Handwerker" Raphael Clamer, Christian Graf, Barbara Spitz, Mathias Schlung, Reinhold Moritz und Paul Herwig (Esel/Zettel), dessen theatralischer Selbstmord auf der Bühne selten witzig über die Rampe kommt.
Ivor Bolton und sein Mozarteum Orchester geben einen wunderbar luftigen Mendelssohn inklusive den Welthit "Hochzeitsmarsch" und tragen das Ihre bei zu einem Sommertheater, das mit einem einzigen Wort am allerbesten beschrieben ist - zauberhaft.

apa, 5.8.2013

Dieser Salzburger Sommernachtstraum könnte auch einem Drogenrausch auf einer Designer-Party in einem Londoner Penthouse entsprungen sein. Denn sie sind alle sehr hip, cool und schick, die sich da beim britischen Regisseur Henry Mason in Liebeswirren verfangen.
Hippolyta macht in Wellnesskleidung Schwangeren-Yoga, Hermia verfolgt mit Schnürschuhen, Hornbrille und Oversize-Blazer ihren Liebsten und Puck wirkt im engen Blumenmuster-Anzug zeitweise wie das Abziehbild eines schwulen In-Designers. Auch die Sprache ist sehr modern, der Regisseur hat Shakespeares Stück selbst ins Deutsche übersetzt.
Das Publikum der Open-Air-Premiere im Salzburger Residenzhof war vom leichten und kurzweilig-modernen Musiktheater begeistert: Nach der rund dreistündigen Vorstellung bei tropischen Temperaturen gab es langanhaltenden Applaus und begeisterte Bravo-Rufe für Schauspiel, Regie und das Mozarteumorchester Salzburg unter Ivor Bolton.
Überzeugend hat Mason die Schauspielmusik von Felix Mendelssohn Bartholdy in die Komödie integriert: In allen Musik-Sequenzen lässt er die Schauspieler die Handlung weiter spielen. So beherrschen beispielsweise zu Beginn hektische Hochzeitsvorbereitungen die für Renovierungsarbeiten abgeklebte Bühne: Caterer, Techniker, Floristen und Putzpersonal kommen und gehen. Dazwischen soll sich die schwangere Hippolyta, die aber mehr an ihren Yoga-Übungen interessiert ist, ein Kleid aussuchen. Theseus ist im Morgenrock ganz genervt-wichtiger Manager. Dann stellen alle Darsteller mit teils akrobatischen Verrenkungen „Ein Sommernachtstraum“ als menschliche Buchstaben dar und die Handlung beginnt.
Jan Meier hat auf die Bühne ein grünes Metallgerüst gebaut, auf dem oben das Orchester auf einer Galerie über dem Geschehen thront. Nach Entfernung der Renovierungsplanen ist der Blick frei auf den mit Birkenstämmen angedeuteten Wald: Hier herrschen freakig-freche Feen unsicheren Geschlechts, mit zerrissenen Netzstrumpfhosen und derben Stiefeln ganz im Punk- oder Gothicstil. Markus Meyer zeigt einen in jeder Hinsicht stets einsatzbereiten, frechen und differenzierten Puck mit allerlei Akrobatik-Einlagen. [...]
Die ihr Stück probenden Handwerker - bei Mason vom Caterer über die Brautmodenverkäuferin zum Veranstaltungstechniker allesamt von den Hochzeitsvorbereitungen - überzeugen durchweg in ihrer Komik. Am Ende darf die erste Zuschauerreihe Konfetti auf die Hochzeitsgesellschaft werfen und die Elfen tragen Lichtkugeln ins Publikum: Ein stimmiger, wenn auch sehr cooler Sommernachtstraum mitten in der österreichischen Hitze-Welle.

dpa, 5.8.2013

Ein überbordendes Spektakel um Liebe und Lust: Shakespeare und Felix Mendelsohn Bartholdy in der bejubelten Regie von Henry Mason bei den Salzburger Festspielen
Dazu gehört wohl Chuzpe: Im Programmheft zu Ein Sommernachtstraum wird die Dauer mit "ca. 2 1/2 Stunden" angegeben; geworden sind es deren drei - ohne Pause wohlgemerkt. Aber das grandiose Spektakel im Residenzhof ließ niemanden ein Bedürfnis verspüren: Regisseur Henry Mason und Ausstatter Jan Meier verstanden es, mit schier unerschöpflichem Ideenreichtum in ihren Bann zu ziehen.
Sven-Eric Bechtolf, Schauspieldirektor der Salzburger Festspiele, wollte erneut ein "Gesamtkunstwerk" - im Sinn von Max Reinhardt - realisiert wissen. Das Unterfangen, Shakespeares Sommernachtstraum samt der Schauspielmusik von Felix Mendelsohn Bartholdy zu bringen, glückte noch weit mehr als Bechtolfs Verzahnung von Molières Der Bürger als Edelmann mit Ariadne auf Naxos im Vorjahr. Nicht die Musik untermalte das Geschehen, Mason illustrierte die Musik - und zwar jede einzelne Sekunde.
Schon während der Ouvertüre macht Puck, angelockt von der Musik, jede Menge Schabernack. Er entreißt Ivor Bolton, dem Dirigenten, den Stab, fuchtelt herum, doch das Mozarteumorchester spielt weiter. Es sitzt nicht in einem Graben, sondern ist Bestandteil der Bühnenarchitektur, einem Gerüst mit mehreren Ebenen, das eigens für das anstehende Hochzeitsfest des Herzogs mit Hippolyta, der Königin der Amazonen, errichtet worden zu sein scheint: Zu Beginn wird noch eifrig lackiert und geputzt.
Ja, vor dieser "Royal Wedding" herrscht Hochbetrieb im Palast des Theseus. Michael Rotschopf ist genervt, da er Entscheidungen zu treffen hat. Und gar nicht goutiert er, dass seine widerspenstige Braut Yoga- und Fechtübungen macht. Schließlich ist sie schwanger. Dass Karoline Eichhorn als Hippolyta keinen Wert auf Konventionen legt, macht sie sofort klar: Mit dem Degen mustert sie die Brautkleider. Keines kommt infrage. Sonderbarerweise wird sie am Ende in Weiß heiraten. Aber zumindest im Hosenanzug.
Involviert in das hektische Treiben sind in dieser wirklich witzigen Version, die keine Neudeutung versucht, auch die Handwerker: Henry Mason machte aus Zettel, dem Weber, einen Bodenleger, aus Schlucker, dem Schneider, einen Veranstaltungstechniker und aus Schnock, dem Schreiner, einen Koch. In der sanft modernisierten, gekürzten Version - Mason gelang mit heutigem Vokabular eine stimmige Übersetzung - ist auch eine Frau mit von der Partie: die Brautmodenverkäuferin.
Adjustiert für eine Wanderung und geleitet von Google Earth zieht die Truppe, die bei der Hochzeit ein Stück aufzuführen gedenkt, in den Athener Wald. Dorthin, in das Reich von Oberon und Titania, verschlägt es auch die vier jungen Leute mit ihren Liebesproblemen. Hermia, die Tussi (Tanja Raunig), lässt Lysander, den kleinen Intellektuellen (Daniel Jeroma), jede Menge Koffer schleppen. Hinterher hasten Demetrius im saloppen Anzug (Claudius von Stolzmann) und die zunächst verschmähte Helena (Eva Maria Sommersberg), die sich von der Brillenschlange in ein Model im Glitzerkleid verwandeln wird.
Im Wald herrschen andere Gesetze, andere Dimensionen. Die Sänfte der Titania besteht z. B. aus einer aufgerollten, angerosteten Sardinendose. Rotschopf ist als Oberon zwar ziemlich eifersüchtig auf das Menschenbaby, das Titania stahl, aber auch in dieser Traumwelt ein Herrscher mit Herz. Er wird es nicht leicht haben mit der kahlgeschorenen Elfenkönigin. Sanft ist Eichhorn nur illuminiert gegenüber dem zum Esel verwandelten Zettel.
Ob der zahlreichen amüsanten Regieeinfälle und der unglaublichen Ausstattungsdetails gehen die Leistungen der einzelnen Akteure und dem Chor beinahe unter. Die Laienspieltruppe (u. a. mit Raphael Clamer, Paul Herwig und Reinhold G. Moritz) vermag mit Tollpatschigkeit zu unterhalten. Das Fest gelingt, Bolton dirigiert den bekannten Hochzeitsmarsch gleich zweimal. Die unbezähmbare Hippolyta wirft Zettel einen fragenden Blick zu: Kennen wir uns nicht von wo?
Einer aber dominiert den ganzen Abend lang: Markus Meyer als Puck. Er kann drollig sein, wie es sich gehört, schillernd, heiter, mitreißend. Mitunter aber ist er auch ein grenzgefährlicher, sexbesessener Psychopath, der so tut, als sei er vom Teufel besessen. Eine Wahnsinnsnummer, eifrig bejubelt.

Der Standard, 5.8.2013

Regisseur Henry Mason inszeniert einen sommerlich leichten, aber niemals lauen „Sommernachtstraum“: Klassisches Sommertheater, allerdings auf höchstem Niveau.
In Shakespeares genialer Komödie begeben sich vier junge Menschen und mit ihnen die Zuschauer ins Land des Unbewussten, in den klassischen Wald der Märchen, wo Geister sie mit ihren Wünschen und Ängsten konfrontieren und die Grenze zwischen Traum und Realität nicht mehr auszumachen ist.
Eine Nacht lang ist nichts unmöglich, auch nicht, dass eine Elfenkönigin einen zum Esel mutierten Handwerker liebt, bis am Ende die Ordnung in Form einer Dreifachhochzeit wiederhergestellt wird. Doch, wer weiß, vielleicht träumen wir ja auch diese Ordnung nur?
Henry Mason hat Shakespeares Text neu übersetzt, seine Fassung hat Charme und Witz, entgeht aber manchmal der Kalauer-Gefahr nur knapp.
Seine Inszenierung betont das Zauberhafte des Textes und ignoriert seine Bedrohlichkeit weitgehend, was man bedauern kann, aber nicht muss. Dazu fallen ihm allerliebste Bilder ein – etwa das Schaumbad von Elfenkönigin und Esel, bei dem die Elfen mit überdimensionalen Strohröhren für das richtige Blubbern sorgen.
Das Abgründige, Erotische der Träume wird in sehr schönen Tanz-Sequenzen (Choreografie: Francesc Abós) angedeutet: Personen gehen, wie im Traum üblich, ineinander über, Identitäten verschwimmen.
Das zusammengewürfelte Ensemble schlägt sich sehr gut. Markus Meyer ist als boshafter Elf Puck der perfekte Spielleiter. Er spielt diese berühmte Rolle virtuos, wie einen kleinen Hund, der ständig Unsinn anstellt, dem man aber nicht böse sein kann, wenn er treuherzig den Kopf schief legt.
Michael Rotschopf (Theseus/Oberon) und Karoline Eichhorn (Hippolyta/Titania) sind als Menschen-/Elfenpaar großartig, sehr abgründig und vielgesichtig. Tanja Raunig (Hermia), Eva Maria Sommersberg (Helena), Daniel Jeroma (Lysander) und Claudius von Stolzmann (Demetrius) spielen die vier jungen Menschen in Liebeswirren exakt so, wie man es erwartet.
Herrlich gelingen die Rüpelszenen, die Handwerker Paul Herwig (Zettel), Raphael Clamer (Peter Squenz), Christian Graf (Flaut), Barbara Spitz (Schnauz), Mathias Schlung (Schnock) und Reinhold G. Moritz (Schlucker) legen bei der Theater-im-Theater-Szene zum Schluss derart entfesselten Slapstick hin, dass man schon sehr abgebrüht sein müsste, um sich da nicht die Schenkel blau zu klopfen.
Das Besondere dieser Inszenierung ist, dass sie Shakespeares Text mit der gut 250 Jahre später dazu komponierten „Bühnenmusik“ von Felix Mendelssohn Bartholdy zusammenführt. Diese ist krass romantisch, bietet eine schwelgerische Ouvertüre sowie einen echten Hit (den berühmten „Hochzeitsmarsch“), bremst aber stellenweise die Handlung mehr, als sie sie vorantreibt. Ivor Bolton und das Mozarteumorchester Salzburg musizieren sommerlich-genießerisch. Glänzen kann das Vocalensemble. Stark: Die Solisten Chiara Skerath und Sophie Rennert (Gesang) sowie Joaquin Fernández und Luke Giacomin (Tanz).
Jubel und viele Bravos.

Kurier, 5.8.2013

Shakespeares „Sommernachtstraum“, inszeniert von Henry Mason, mit Mendelssohns kompletter Schauspielmusik, dirigiert von Ivor Bolton – eine traumhafte Aufführung der Salzburger Festspiele ist jetzt auf DVD erschienen.

Eine Aufführung des Gesamtkunstwerks [ist] fast zwangsläufig [ein] Unternehmen, das sich nur große und potente Festivals leisten können. So wie 2013 die Salzburger Festspiele, die dem Werk in warmen Sommernächten im Residenzhof eine spektakuläre Bühne für Wort, Spiel und Musik bereiteten. Auf der aktuell erschienenen DVD-Aufzeichnung kann man miterleben, dass Mendelssohns Musik nicht nur von außen herangetönter Kommentar zu den Verwirrungen im elfen- und feen-durchschwirrten Wald bei Athen ist, sondern ein integraler Bestandteil des Spiels [...]

Das zeigt sich schon im Bühnenbild, das das Orchester (das Mozarteum-Orchester unter seinem Chefdirigenten Ivor Bolton) in der ersten Etage über der Bühnenfläche platziert, gut sichtbar, immer wieder in wechselnde Lichtstimmungen getaucht und manchmal auch munter ins Geschehen einbezogen, wenn plötzlich Puck mit Bolton um den Dirigentenstab rangelt und damit wild gestikuliert.

Das Verhältnis zwischen Musik und Spiel bietet in dieser Aufführung keine eindeutige Hierarchie, Masons Bilder und Regieeinfälle arbeiten der Musik ebenso zu wie sie dem Bühnengeschehen. Sie ist mehr als nur beiläufig-gefällige Untermalung des Spiels, sie ist seine gleichberechtigte Partnerin – auch wenn der Text in den knapp drei Stunden natürlich ein längenmäßiges Übergewicht hat gegenüber den 45 Minuten Musik. Doch die Musik bremst nicht, die Handlung auf der Bühne läuft durchgängig zur Musik weiter, so entsteht fast das Gefühl, eine gesprochene Oper zu erleben.

Gleich in der Ouvertüre, die Mendelssohn im Alter von 17 Jahren schrieb, erzählt Mason zur Musik ebenso viele kleine Handlungsbausteinchen aus dem Vorfeld der Athen Fürstenhochzeit, wie die Musik einmal im Schnelldurchgang durch alle Dimensionen des folgenden „Sommernachtstraums“ führt. Wobei Bolton da keineswegs nur flimmernden Sternstaub, Elfenkichern und süßliche Romantik ins Traumland hinabglitzern lässt – er malt vor allem auch die irrlichternden, düsteren, dunklen Stellen aus, in denen von untergründigen Ängsten, von Sehnsüchten und abgründigen Leidenschaften die musikalische Rede ist. [...] Boltons Kunst ist es, das durchweg mit leichter Hand zu tun – es ist in seiner Version immer Märchen und Traum und kein Drama.

Nicht genug loben kann man kann man Henry Mason neue Textfassung, die frei und frech, dabei mit großen Respekt die zu Ikonen gewordenen Verse von Schlegel/Tieck behutsam modernisiert, und ihren und Shakespeares Sprachwitz dezent ins Heute transportiert – eine große und großartig gelungene Arbeit. Genau wie seine quirlige, leichtgängige Regie mit einem jungen Ensemble. Mason beherrscht den Elfenspuk ebenso wie die feine Karikatur des Yuppie-Hofs von Theseus und Hippolyta, lässt beim Streit zwischen Oberon und Titania gewaltig die Fetzen fliegen und Puck wunderbar anarchisch herumchaotisieren.

Das ist Salzburger Sommertheater vom allerfeinsten. Ein Glück, dass es auf DVD dokumentiert wurde und erhalten bleibt.

www.kultur-port.de, 21.8.2014

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Tanja Raunig (Hermia), Daniel Jeroma (Lysander) © Klaus Huemer
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DAS DSCHUNGELBUCH

von Stuart Patterson nach Rudyard Kipling

Bühne: Michaela Mandel

Kostüme: Anna Katharina Jaritz

 

Es gelingt Regisseur Henry Mason in einer bemerkenswerten Inszenierung, die Geschichte weder kindlich noch kindisch, weder billig noch albern auf die Bühne zu stellen, sondern mit größter Selbstverständlichkeit. Die Mensch-Tier-Fabel wird zur klassischen Erzählung über eine „Entwicklung“ und über Erkenntnis des eigenen Ichs und Selbst.
Bestechend die Logistik der Produktion – fünf schräge Ebenen, die mit minimalen Details und Lichteffekten in die jeweiligen Schauplätze zu verwandeln sind (Michaela Mandel): Es wirkt so selbstverständlich, aber man muss es herstellen und dann nahtlos bespielen können. [...]
Es ist wirklich wunderhübsch, wie diese Tiere in Kostüm und Maske (Anna Katharina Jaritz) ohne Übertreibung und doch unverkennbar charakterisiert werden, ganz abgesehen davon, dass jeder Schauspieler ihnen äußeres Profil und gewissermaßen Seele und Wesen gibt.
In der auf Präzision, exakte Pointen und liebevoll charakterisierende Details ausgerichteten Inszenierung gibt es unter den Darstellern keinen schwachen Punkt. [...]
„Das Dschungelbuch“ darf das Theater der Jugend unter seine besonders gelungenen Produktionen reihen.

www.der-neue-merker.eu, 15.02.2013

Wo g'hör i hin, wo bin i z'Haus? Wunderbare, vielschichtige „Dschungelbuch“-Version im Wiener Theater der Jugend [...]
Im Gegensatz zu so manch anderen „Dschungelbuch“-Versionen nimmt hier die Rückkehr von Mowgli ins Dorf eine größere Rolle ein. Die Anfeindungen des fremden Wesens vor allem durch die Männer des Dorfes treiben ihn - vorübergehend (?) - zurück in den Urwald zu seinen Gefährten. Aber ist er dort wirklich zu Hause? Wo gehört er hin? Somit ist hier zwei Stunden lang – oder viel mehr kurz - eine fantasievoll gespielte und doch sehr lebensnahe und aktuelle Version des Klassikers zu erleben.

Kurier, 16.2.2013

Pure Unterhaltung, gespickt mit viel Lebensweisheiten, beschert das Theater der Jugend mit Stuart Patersons Version von Ruyard Kiplings Klassiker „Dschungelbuch“. Spannend, witzig, perfekt gemacht!
Mowglis Abenteuer mit seinen tierischen Freunden (und Feinden), seine Angst vor dem Tiger Shere Khan, seine Suche nach Platz für sich zwischen zwei Welten, zwischen animalischer Freiheit und menschlicher Perfidie im Dorf seiner Mutter, wurde von Henry Mason perfekt, packend, temporeich, sportlich fordernd, auch mit Subtilität inszeniert. [...]
In schönstes Urwaldlicht ist das alles getaucht, in archaischen Chören vereinen sich darin die Guten, die Zeit vergeht wie im Flug: eine Freude für Klein und Groß!

Neue Kronen Zeitung, 16.2.2013

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Christian Graf (Bagheera) © Rita Newman

2012

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STARSEEKER

von Phil Porter nach dem Roman von Tim Bowler

Bühne: Vinzenz Gertler

Kostüme: Jessica Karge

Musik: Franz Flieger Stögner

Im Theater im Zentrum verblüfft zunächst das attraktive Bühnenbild von Vinzenz Karl Gertler: ein riesiges verschiebbares Bullaugenfenster, das viele Schauplätze zeigt. Henry Mason hat sehr spannend inszeniert, das junge Ensemble erfüllt bestens seine Aufgabe. Begeisterung beim jungen wie älteren Publikum: eine gelungene Produktion des Theaters der Jugend.

Neue Kronen Zeitung, 26.10.2012

Der britische Jugendbuch-Autor Tim Bowler, Jahrgang 1953, gilt als "master of the psychological thriller". Thriller-Qualität ist auch seinem Roman "Starseeker" (2002) gewiss nicht abzusprechen. Doch dieser zweistündige Theaterabend hat noch mehr zu bieten als eine vom ersten bis zum letzten Moment spannende, aktionsreiche Handlung, in deren Verlauf der 14-jährige Protagonist in eine Kindesentführung involviert wird und schließlich sogar in Lebensgefahr gerät, ehe sich alles zum guten Ende wendet.
Die Geschichte wirkt nie überladen oder gekünstelt, sondern rollt in der Inszenierung von Henry Mason mit geradezu beschwingter Leichtigkeit ab. Und Vinzenz Karl Gertler verwirklicht mit ästhetisch perfekten Beleuchtungs- und Projektionseffekten den bruchlosen Wechsel der Spielorte.

Wiener Zeitung, 25.10.2012

Luke hört Stimmen in seinem Kopf. Klangfetzen. Fragen. Musik. Ab und zu das Weinen eines Kindes. Auch „das Singen des Firmaments“, wie er verblüfft feststellt. Doch was ist echt von diesen Eindrücken, was eingebildet? Was ist seine ganz persönliche Flucht aus der Wirklichkeit? – Luke verliert den Verstand, oder? Es ist die aufreibende Zeit der Pubertät, deren Zeuge die Zuschauer bei „Starseeker“ werden. Der Suche nach dem eigenen Wesen, zu sich selbst. Henry Mason inszeniert das Stück des Briten Tim Bowler im Theater im Zentrum voll Poesie.

Kurier, 24.10.2012

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Jürgen Heigl (Luke) © Rita Newman
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DAS WINTERMÄRCHEN

von William Shakespeare
Übersetzung und Fassung von Henry Mason

Bühne und Licht: Franz Flieger Stögner

Kostüm: Anna Katharina Jaritz

 

Das Produktionsteam gewann für diese Produktion den oö. Bühnenkunstpreis 2012.

 

 

Ohne Vorwarnung erkrankt König Leontes an Eifersucht auf seine Frau und seinen besten Freund. In wachsender Paranoia verhaftet er die eine, jagt dem anderen einen Mörder an den Hals und setzt sein neugeborenes Kind in der Wildnis aus. Als er erkennt, dass sein Verdacht grundlos war, packt Leontes die Reue – anscheinend zu spät. Aber die ausgesetzte Tochter, Perdita, hat überlebt. Und sechszehn Jahre später begegnet sie auf einem Schäferfest dem Sohn des Polixenes und verliebt sich - ohne zu wissen, wer er ist.

 

Henry Mason erzählt mit einem hochkarätigen Ensemble Shakespeares Familienmärchen über Schuld und zweite Chancen hautnah und sinnlich in der Arena der alten Textilfärberei der Kulturfabrik Helfenberg.

Grandiose Mason-Inszenierung in Helfenbergs Theaterfabrik: „Das Wintermärchen“ als Schauspielhit mitten im Sommer. Regisseur Henry Mason bedient mit seinem fabelhaften Ensemble geschickt sämtliche Register von der Königstragödie bis hin zur Schäferkomödie. Ich möchte keine Minute davon missen.

Neue Kronen Zeitung

Respekt, Frau Paulina! Die nimmt sich wahrlich kein Blatt vor den Mund und verpasst sogar dem König heftige Verbalwatschen, dass auch der Herrscher Siziliens höchstselbst nicht mehr weiß, wie ihm geschieht. Und recht geschieht ihm! Diesem Sturschädel Leontes, der seine schwangere Frau und seinen besten Freund, den König Böhmens, der Untreue bezichtigt. Der Bazillus Eifersucht frisst sich wie eine Geisteskrankheit in sein Gehirn, er lässt die Ehefrau in den Kerker werfen, will den vermeintlichen Widersacher ermorden lassen und überlässt das gemeinsame Kind in der Wildnis seinem Schicksal. Das ist der Inhalt des ersten Teils von „Das Wintermärchen“, in dem Shakespeare zwei sehr unterschiedliche Teile zu einem Stück vereint. Der erste Teil einer griechischen Tragödie gleich, der zweite Teil 16 Jahre später mit der fröhlichen Lockerheit eines Sommernachtstraumes samt wagemutig konstruiertem Happy-End.

Im Theater in der Kulturfabrik Helfenberg wird seit 2007 Sommertheater gezeigt, der Begriff aber greift zu kurz: Das ist großes, anspruchsvolles Theater. Henry Mason hat das Stück übersetzt, in aktueller, aber nie sich einem flapsigen Zeitgeist-Kauderwelsch anbiedernder, humorvoller Sprache. Ebenso ist seine Inszenierung. Er führt die Figuren genau und umsichtig auf dem kahlen Spieltablett, um das die Zuschauer angeordnet sind, fügt der inszenatorischen Präzision eine Fülle an kleinen und feinen Regieeinfällen zu. Er hat ein tolles Ensemble zusammengestellt [...] Am Ende nehmen rund 30 Leute auf der Bühne den heftigen Applaus des Premierenpublikums entgegen.

Oberösterreichische Nachrichten

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Das „Wintermärchen“-Ensemble © Klaus Huemer
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ALICE IM WUNDERLAND

Musical von Henry Mason und Thomas Zaufke
nach den "Alice"-Romanen von Lewis Carroll

Bühne und Kostüme: Jan Meier

Musikalische Leitung: Stefanie Hacker

Choreographe: Jerôme Knols 

Wenn das Theater der Jugend schlicht und einfach „Alice im Wunderland“ ankündigt, so hätte man manches erwartet – nicht aber, dass hier ein veritables Musical auf die Bühne gestellt wird, und das so souverän, dass man die Produktion unverändert in jedes echte „Musical“-Theater versetzen und damit reüssieren könnte.
„Alice“ wie sie leibt und lebt - und ein gelungenes Musical dazu! Das hat mit der geschickten Fassung zu tun, die vom Regisseur Henry Mason stammt, den flotten Liedtexten und vor allem mit der Musik von Thomas Zaufke, die weit mehr ist als nur die routinierte Rhythmik, die in diesem Genre meist geboten wird.
Mason ist Brite, das heißt, dass Lewis Carrolls „absurdes“ Kinderbuch von Alice, die vom weißen Kaninchen in ein abstruses Wunderland mitgenommen wird, ihm sozusagen heilig ist – und das, so wie sie ist. Das bedeutet, dass die Geschichte weder modernisiert noch verfremdet wird, denn sie ist in ihrer „Originalfassung“ spontan, frech, hinterfragend und heutig genug. [...] Und Mason stößt die jugendlichen Zuschauer nicht wie das Buch direkt ins Geschehen, sondern gibt dem Ganzen noch einen drolligen familiären Hintergrund, von dem aus Alice dann in die Traumwelt abdriftet, wobei er genaue Bezüge zwischen Wirklichkeit und Phantasie hergestellt hat.
Das jugendliche Publikum ist mit höchstem Verständnis und höchstem Vergnügen mitgegangen.

www.der-neue-merker.eu – 02.06.2012

Sag der Vernunft auf Wiedersehen! Lust am Fantasieren: "Alice im Wunderland" im Wiener Renaissancetheater überzeugt auf vielfacher Ebene.
Manchmal braucht es einen Ausflug in die Absurdität, um in der rationalen Welt wieder klar denken zu können. Das lebt die Protagonistin in Lewis Carrolls Alice-Romanen seit 1865 Kindern vor, die sich wie sie in der konformistischen Welt der Erwachsenen langweilen oder angesichts der unzähligen Benimmregeln verzweifeln.
Man würde meinen, der bekannte Stoff bedürfe keiner weiteren Kniffe, um auch auf der Musicalbühne zu überzeugen. Die Neuanordnung von Henry Mason am Wiener Theater der Jugend zeigt aber auf, dass die Lust am Fantasieren mit ein paar zusätzlichen Ideen noch wächst. Zum einen sind da das erstaunlich wandelbare Bühnenbild (Jan Meier), das vor allem durch den genialen Einsatz von Schrift überrascht, sowie die eingängige Musik von Thomas Zaufke, die live im Hintergrund der Bühne interpretiert wird. Zum anderen sind die Mehrfachrollen klug besetzt.
Jede Figur des viktorianischen Elternhauses bekommt ihre Entsprechung im Wunderland, und Alice lernt durch die Lösung von Konflikten im Traum, wie sie auch jene im Familienleben bewältigen kann. Zudem verbindet die Charaktere hier ein Beziehungsgeflecht, das die im Original eher disparaten Begegnungen glaubwürdig aufeinander bezieht. [...]
Am Ende steht eine der besten Adaptionen der letzten Jahre und ein aufregendes Musical, das für Kinder ab sechs Jahren konzipiert ist, aber auch Erwachsenen eine Möglichkeit bietet, der bedeutungsvollen Welt für zwei Stunden zu entfliehen.

Der Standard, 5.6.2012

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Jan Zabbée (Lakai 2), Merten Schoredter (Billy), Natalie Ananda Assmann (Alice), Horst Eder (Großvater) © Rita Newman