003: Alles Mögliche möglich
Meist inszeniere ich meine Theatertexte selber, aber demnächst kommt ein Stück von mir zur Aufführung, das der u\hof: Leiter, Regisseur John F.Kutil, in Auftrag gegeben hat. Es feiert kommenden Freitag im Rahmen des Theaterfestivals SHÄXPIR für junges Publikum Premiere und heißt "Heiße Sohlen" (siehe oranger Kasten rechts). Gestern war die 0-er Probe, und da durfte ich sehen, was John und das fast zwanzigköpfige Ensemble schon seit Februar proben. Das war ein ungewöhnliches Erlebnis - und ein schönes.
Das Stück (ab 13) spielt in einer alten Tanzschule, die in wenigen Tagen abgerissen werden soll. Zitat Pressetext: "Dort treffen sechs Jugendliche auf eine Gruppe tanzbegeisterter SeniorInnen. Beide Gruppen wollen den leerstehenden Raum für sich nutzen. Die SeniorInnen schwingen zu ihrem Vergnügen das Tanzbein. Jennifer und ihre Clique müssen für eine Castingshow ihre Choreographie proben und sind weniger entspannt. Es kommt zur Konfrontation."
Der Spaß bei der Sache: Das Stück spielt auf zwei Zeitebenen, nämlich 1963, als die Tanzschule florierte, und heute, 2013, und die jungen SchauspielerInnen, die die Jugendlichen spielen, spielen auch die Senioren anno 1963, wie sie in just dieser Tanzschule das erste Mal aufeinander treffen. Zeitreisen auf dem Theater haben mir immer schon viel Spaß gemacht, und ich war bei der Probe gestern beglückt (und erleichtert) zu sehen, dass das, was in meinem Kopf annähernd geklappt hat, auch auf der Bühne funktionieren wird. Man weiß ja nie. (Wenn man beim eigenen Stück Regie führt, kann man ja etwaige Schwächen des Textes "weginszenieren"; man kann nicht davon ausgehen, dass ein fremder Regisseur so kulant ist, das genauso zu machen...)
Trotz vieler komplizierter Übergänge und Wirbelwindumzüge wurde jedenfalls kaum unterbrochen, und man spürte, das der Abend das Potential hat, bis zur Premiere in einer Woche ein Knüller zu werden. Besonders schön zu erleben war die Zusammenarbeit zwischen den jungen Profis und den älteren Laien, ich glaube, es sind immerhin dreizehn an der Zahl, die durchaus Anspruchsvolles zu spielen und zu tanzen haben, und das mit einer großen Hingabe machen. Mein lieber Freund John F. Kutil hat sie wunderbar geführt, und man merkt, wie viel Spaß es ihnen macht, auf der Bühne zu stehen und ihre Figuren zu verkörpern.
Mich hat der Durchlauf berührt, und das ist richtig so: Es ist ein Stück über die Liebe - über erste Liebe und (?) letzte Liebe, über Selbsttäuschungen und zweite Chancen, über die Freude am Tanz, die Freude am Miteinander. Letzteres hat John in seinen Regiearbeiten immer schon wunderbar vermittelt, und der Funke wird, da bin ich überzeugt, auch hier überspringen. Beim Zusehen gestern durfte ich mich jedenfalls glücklich schätzen, dass der Text in so guten Händen ist.
Euer Henry