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2020

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DIE ZAUBERFLÖTE

Oper von Wolfgang Amadeus Mozart und Emanuel Schikaneder

Inszenierung: Henry Mason * Musikalische Leitung: Anja Bihlmaier * Bühne und Kostüm: Jan Meier * Puppendesign und -coaching: Rebekah Wild * Choreografie und Regiemitarbeit: Francesc Abós * Lichtdesign: Guido Petzold

 

Regisseur Henry Mason zu Mozarts und Schikaneders „Zauberflöte“

„Die Zauberflöte“ ist rätselhaft und widersprüchlich, und das ist auch ihre Qualität. Sie funktioniert am besten, wenn sie so vielfältig und so mehrdeutig sein darf wie ein Traum: bunt, anarchisch, schnell und komödiantisch, aber auch ernst, berührend, transzendent. Auch in Shakespeares Werk begegnet man genau dieser Mischung zwischen dem Hohen und dem Niedrigen, dem Heiligen und dem Profanen, dem Ernst und der Komik. 

Die „Zauberflöte“ ist ein Märchen über Hoffnung, ein Märchen für Kinder und für Erwachsene; sie ist genauso ernst gemeint, wie sie verspielt ist; sie ist politisch, psychologisch und vor allem beste theatralische Unterhaltung. Wenn sie nicht bezaubert und unterhält, ist sie nichts; aber wenn sie einen nicht tief berührt, dann hat man ihr ebenfalls keinen guten Dienst erwiesen.  

Der Rahmen für die Handlung der „Zauberflöte“ wird oft als der Konflikt zweier Welten beschrieben: der Nachtwelt der Königin und der Tagwelt von Sarastros Tempel. Im Stück gibt aber noch einen dritten Kosmos, der den beiden anderen gegenübersteht, den der unschuldigen Natur, vertreten durch die drei Knaben und durch die Zauberflöte selbst (die aus der Wurzel eines Weltenbaumes geschnitzt wurde). 

Viele Mythen erzählen davon, dass die Welt krankt oder aus dem Lot gerät, wenn die Mächtigen kranken. So ist auch die Welt in der „Zauberflöte“ eine kranke Welt, die von Pamina und Tamino geheilt werden will; denn weder die Nachtwelt der Königin noch die Tagwelt des Sarastro kann man als moralisch „sauber“ bezeichnen. Beide Welten haben Dreck am Stecken (die scheinbar aristokratische Königin und ihre Damen agieren wie Terroristinnen, der Tempel Sarastros ist eine befestigte Militäranlage von Kolonialherren, die Sklaven halten und Frauen verachten); und beide Welten begreifen sich als „die Guten“, die anderen als „die Bösen“.

Bedingt durch den Konflikt der (weiblichen) Nachtwelt und der (männlichen) Tagwelt ist der Kosmos der „Zauberflöte“ aus dem Lot geraten und in Lieblosigkeit erstarrt. Ein wesentliches Symptom dieser Lieblosigkeit ist die Gleichgültigkeit beider Lager der Natur gegenüber, die verletzt ist und nach Heilung verlangt. Und wie in „Parsifal“ (und in vielen anderen Geschichten) sind es nur die „Kinder“, die Unschuldigen, die die Welt heilen können. Hier ist es Tamino und Paminas Bündnis, das die zerstörerischen Gegensätze zu überwinden sucht. Die beiden unschuldig Liebenden werden durch diese dritte Kraft im Stück, der Welt der Natur, unterstützt, geleitet und gerettet. 

In unserer Produktion soll diese „Welt der Natur“ von Puppen dargestellt werden (entworfen und gebaut von Rebekah Wild). Das Puppenspiel ist eine uralte Form des darstellenden Spiels und hat einen eigenen Zauber, der eine tiefe, archaische Kraft besitzt. Puppenfiguren haben immer ein Eigenleben, etwas Nicht-Menschliches, oder Über-Menschliches; sie werden in dieser Inszenierung das eigentlich „Heilige“ oder „Heile“ darstellen: die Natur selbst, das größte Opfer des menschlichen Egoismus.

 

Pressetext der Volksoper Wien

Mozarts „Die Zauberflöte“ ist kollektives Kulturerbe und die meistgespielte Oper überhaupt. Sie vereint in sich Zaubermärchen und Erziehungsroman, Freimaurersymbolik und die Tradition des Wiener Vorstadttheaters aus dem 18. Jahrhundert. Sie ist rätselhaft und widersprüchlich, und genau das ist ihre Qualität. An der Volksoper Wien ist Mozarts universales Werk ein Fixstern des Repertoires.

Henry Masons Neuinszenierung und die musikalische Neueinstudierung unter der Leitung von Anja Bihlmaier laden uns zu einem frischen Blick auf dieses Werk ein, das wir längst zu kennen glauben. Voll von archetypischen und ästhetischen, historisch-politischen und interkulturellen Bezügen, setzt diese Neubetrachtung die „Zauberflöte“ in aktuelle Kontexte und Diskurse. Dabei entbehrt sie jedoch nicht einer Theatersprache, die auch junges Publikum fasziniert und begeistert, denn: „Die Zauberflöte gehört zu den Stücken, die ebenso ein Kind entzücken wie den Erfahrensten der Menschen zu Tränen rühren, den Weisesten erheben können. Jeder Einzelne und jede Generation findet etwas anderes darin." (Alfred Einstein)

 

Wiener Volksoper verleiht der "Zauberflöte" Flügel
Vier kleine Blätter, die ihre hölzerne Herkunft aus dem Wald unterstreichen, verleihen der Flöte Flügel. Und die unsichtbaren Bänder zur Marionettenspielerin, die sie agil durchs Geschehen schweben lässt. Seit Samstagabend hat die Wiener Volksoper eine neue "Zauberflöte". Henry Mason schenkt dem Publikum ein übervolles Schmuckkästchen: Puppen-, Menschen- und Musiktheater nach allen Regeln der Kunst, detail- und figurenverliebt, ein Kirtag der An- und Ausdeutungen.
"Die Liebe ist's allein", wird Tamino auf dem Umschlag des Programmhefts zitiert. In vielen Interpretationen dieses bekanntesten Märchens der Operngeschichte wird die schlichte Liebesbotschaft zwischen diversen Metaebenen der symbolistischen und rätselhaften Handlung eingezwickt. Mason, der zuletzt mit seiner erstaunlichen Musicalfassung von "Der Hase mit den Bernsteinaugen" in Linz für Furore gesorgt hat, gelingt es auch aber auch hier, direkte Emotionen in einer liebevollen Vielheit von Bildern zu vermitteln: In dem Gewusel aus exotischen Tiermarionetten, lebensgroßen Puppen der drei Knaben, Löwentänzern, Königinnendoppelgängerinnen, der fliegenden Flöte und dem als charaktervolles Vintage-Kästchen herumspazierenden Glockenspiel, erzählt er auf einer vergleichsweise einfachen Drehbühne eine vergleichsweise einfache Geschichte.
Der Text ist zweckmäßig zurechtgeschneidert, der Prinz liebt die Prinzessin, Priester und Monarchen sind auch nur Menschen, Mozart ist Mozart und alles ist gut. Mit Martin Mitterrutzner als Tamino und Anna Siminska als Königin der Nacht hat man sich lohnende Debüts an die Volksoper geholt, mit Rebecca Nelsen setzte man auf die bestens bewährte Pamina des Hauses und auch mit Stefan Cerny auf den auch international reüssierenden Sarastro aus der Stammmannschaft.
Die Charaktere sind sanft modernisiert: Sarastro als leicht erschöpfter Superstar mit mühsam überspieltem Liebeskummer, Pamina nicht Unschuldslamm, sondern aufmüpfige Umworbene. Und Jakob Semotan ist als Papageno nicht bunt-quirliger Luftikus, sondern behäbiger Stammtischgenosse im schwarz-weißen Pinguinlook, was anfangs gewöhnungsbedürftig, schließlich aber vollkommen folgerichtig ist. Sein unermüdlicher Sidekick, das wandernde Glockenspiel, muss ob des expressiven, sorgfältigen Marionettenspiels gesondert gewürdigt werden.
Sorgfalt im Detail kennt auch Anja Bihlmaier, die sich im Graben um Mozart verdient macht. Die Dirigentin packt Stimmen, Instrumentalsoli und Orchesterteppich in einen runden, anschmiegsamen Klang, der niemanden zurücklässt. Und das sind viele: Mit Protagonisten, Choristen, Statisten und Puppenspielern, mit Figuren und Figürchen und dazu noch dutzenden rotschopfigen Papageno-Sprösslingen, ist die Bühne am Ende ungefähr so voll wie das im Corona-Abstand locker gefüllte Auditorium. Dort eine bunte, singende Truppe, da maskierte Einzelgänger. Eine wundersame Begegnung. Zweifellos hat diese neue "Zauberflöte" aber das Zeug, auch weit über die Coronazeit hinaus fixer Bestandteil des Repertoires am Gürtel zu sein.

apa, 18.10.2020

Die „Zauberflöte“ des in London geborenen Regisseurs Henry Mason ist in ihrer Haltung recht klar – er deutelt nicht viel herum an Logenkult und Ägyptomanie, sondern bleibt beim Märchen. An den ausgespielten Dialogen, die von feiner Klinge bis derben Schmäh alles hergeben, kennt man dem Regisseur seine Sprechtheatererfahrung an – die enge Vertrautheit mit Komödien macht sich genauso bemerkbar und bezahlt wie seine Expertise im Bereich Kinder- und Jugendtheater.
Wenn hier also Papageno vom Vogelfang singt, dann ist es gleich eine ganze Papageientaucherkolonie, die sich auf der Bühne breitmacht und über die felsige Gegend watschelt, bis der eine oder andere sein Schicksal als Geflügelkeule auf dem Teller der Königin der Nacht beendet. Geführt von sieben Puppenspielern sind die Vögel und eine beeindruckende Riesenschlange auch nur der Anfang einer ganzen Reihe von fantasievollen Figuren der neuseeländischen Puppendesignerin Rebekah Wild.
In der Ausstattung von Jan Meier spiegelt sich die bipolar angelegte Welt des Werks: Die Nachtwelt der Königin ist eine karge Felslandschaft in Blautönen, Sarastros Männerwelt ein Wüstenstaat. (...)
Nach „Der Zauberer von Oz“ und „Carousel“ ist „Die Zauberflöte“ Masons dritte Arbeit, die nun im Repertoire der Volksoper zu sehen sein wird – die Reaktionen am Premierenabend mitdeutend: mit viel Erfolg beim Publikum und trotz der vollen Länge bestens geeignet, die nächste Generation mit der großen Oper vertraut zu machen.

orf.at, 18.10.2020

Was ist die Zauberflöte? Belangloses Märchen oder gar großes Welttheater? Tiefgehend, den Geist forderndes Freimaurerdrama oder schlicht und einfach das Vorstadt-Unterhaltungstheater, das man damals von einem Schikaneder erwartete?
Für die Wiener Volksoper, wo am Samstag Mozarts "Zauberflöte" Premiere hatte, wählte Henry Mason den Weg des unterhaltenden Theaters – aber mit Tiefgang und punktgenauen Botschaften. Mason scheut sich nicht, die Dialoge weitgehend vollständig sprechen zu lassen, und legt dabei viel Wert auf Personenführung und intensive Gestaltung dessen, was das Stück ausmacht. Eben eine fantastische Geschichte, die diese Oper weit in die Romantik rückt, und verbunden damit eine überzeitliche humanistische Botschaft. Somit wird das scheinbar harmlose Märchen zum gesellschaftspolitischen Diskurs, und folgerichtig nehmen Tamino und Pamina den goldenen Sonnenkreis als Symbol der überkommenen Macht vom ohnehin zum Abdanken viel zu jungen Sarastro nicht an, sondern lassen diesen in der Schlussszene einfach dumm dastehen. Sie sind die neue Generation, die falsche Traditionen abstreifen möchte. Faszinierend auch der Einsatz der von Rebekah Wild entworfenen und mit ihrem Team grandios zum Leben erweckten Puppen, die einerseits die Tierwelt imaginieren und andererseits Zauberflöte und Zauberglöckchen zum Leben erwecken.
Auch die drei Knaben sind zunächst nur als bewegte Puppen zu erleben und werden erst beim dritten Auftritt im Wechselspiel mit den Puppen "lebendig". In Masons Inszenierung steckt viel kindliche Fantasie, aber auch viel Intelligenz, ohne dabei die Lust am Zuschauen zu unterbinden.
Musikalisch ist die Produktion sehr ordentlich, was an der temperamentvollen und zügigen Leitung von Anja Bihlmaier liegt, die aus dem Orchester der Volksoper ein feines Mozartensemble formt.
Fazit: Eine Zauberflöte, die aufgrund ihrer scheinbaren Naivität begeistert und viel an Weisheiten zu vermitteln hat.

OÖNachrichten, 19.10.2020

Menschen, Mächte, Marionetten – auf diesen Nenner lässt sich die Neuproduktion von Wolfgang Amadeus Mozarts „Zauberflöte“ an der Volksoper bringen. Vielleicht noch ergänzt um Vögel, Fantasie und Flower-Power. Und um das Thema Klimawandel. Denn Regisseur Henry Mason hatte zu Mozarts Oper eine (Über-)Fülle an Ideen, die er im Haus am Gürtel mit Witz, Charme und Temperament präsentiert. (...) All das zeigt Mason auf der bunt-liebevollen gestalteten, sich permanent in Bewegung befindlichen Drehbühne von Jan Meier (toll auch seine originellen, detailverliebten Kostüme) mit einer unbändigen Lust an An- und Überdeutungen. (...) Jubel!

Kurier, 19.10.2020

Wiens Opernfreunde sind über diese neue „Zauberflöte“ der Volksoper glücklich. Denn die Inszenierung Henry Masons bietet ein opulentes Schauvergnügen voll tiefer Symbolik, kluger Assoziationen und Späßen. Begeisterung und viel Applaus!
Eine Opernproduktion für die ganze Familie! Manche mögen von Überfrachtung, ja einer Materialschlacht reden, aber da erscheint alles in sich stimmig. (...) Diese „Zauberflöte“ ist theatralisch und reich an schönen Märchenbildern. Jan Meiers Ausstattung auf goldschimmernder Drehbühne gibt dem Ganzen den Charakter einer großen Revue, eines Schauvergnügens für Jung und Alt.
Mason weiß, Schikaneders mitunter banales Libretto aufzupeppen (...) Vor allem stellt er Mozart und Schikaneders „Zauberflöten“-Ordnung in Frage. Er zeigt kluge Vexierbilder – Szenen in ständiger Verwandlung, die durch Puppen als Doubles einiger Figuren spielzeughaft zerbrechlich wirken –, benützt kluge Anspielungen und Metaphern. Und der Spaß – vor allem mit Papageno, den drei Damen, dem Mohren Monostatos – kommt nicht zu kurz. Viele Lacher im Publikum beweisen es. Man hat das Gefühl, Mason versucht einem Gesamtkunstwerk nahezukommen.

Kronen Zeitung, 19.10.2020

Das Verblüffendste an dieser gelungenen, weil gescheiten und zugleich poetischen Neuinszenierung durch Henry Mason ist vielleicht, dass sie trotz einer wahren Überfülle an Ideen und Vorgängen dennoch kaum je überladen wirkt. (...)
Puppendesignerin Rebekah Wild hat für große und kleine Augen wunderbare Arbeit geleistet, ihre Menagerie aber keineswegs zufällig zusammengestellt: Einige dieser Arten sind vom Aussterben bedroht. Und so wirft Mason alles Freimaurerbrimborium über Bord und erzählt die Story vom Kampf zwischen Königin und Sarastro als Parabel auf den Klimawandel mit seinen wachsenden Temperaturextremen – ohne dabei freilich jemals den belehrenden Zeigefinger zu erheben. Im Gegenteil, Elemente aus Kulturen mehrerer Kontinente wirken hier ebenso ungezwungen und schlüssig zusammen wie zugleich altmodische und futuristische Maschinen. (...)
Kein Zweifel, die Elterngeneration hat sich an der Natur schuldiggemacht: Im Polarkreis der Königin werden bedrohte Vögel verspeist, Sarastro lässt sich unter sengender Sonne als Großwildjäger mit Elefantenstoßzähnen huldigen. Schön, dass Tamino und Pamina die Bürgerkriegsszenen von Feuer- und Wasserprobe gemeinsam bestehen und dabei als Symbol der Gleichberechtigung einmal er, einmal sie die Zauberflöte spielt. Die Heilung, die sie damit erzielen, gilt der Natur: Die Wüsteneien erblühen wieder. Den verdutzten Sarastro und seine „Eingeweihten“ lässt dieses junge Paar genauso stehen wie die Königin und ihre Partei – und feiert lieber mit Papagenos Großfamilie ein vegetarisches Grillfest im Grünen. So formuliert diese bejubelte „Zauberflöte" eine Hoffnung für die Zukunft.

Die Presse, 19.10.2020

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Backstage: Jakob Semotan (Papageno), Lisa Furtner (Puppenspieler) (c) Jenni Koller
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ORPHEUS

Eine Erzählung für einen musizierenden Schauspieler von Henry Mason

Eine Auftragsarbeit für das Theater des Kindes, Linz

 

Wenn Orpheus singt, tanzen die Bäume, lauschen die wilden Tiere, glätten sich die Wogen auf dem Meer. Wenn Orpheus singt, steigen Nymphen aus den Bäumen, schlafen Höllenhunde ein, weinen sogar die Götter. Aber zu einem ist selbst der begnadete Musiker Orpheus nicht in der Lage: seine geliebte Frau Eurydike aus dem Totenreich heim zu holen.

Orpheus erzählt: von einer Höllenmission, die zum Scheitern verurteilt ist; aber auch vom Leben, von der Hoffnung und von der Kraft der Musik; denn Orpheus singt auch dann weiter, wenn man ihm den Kopf von den Schultern reißt …

Immer wieder ist dieser Urmythos unserer westlichen Tradition neu erzählt und erfunden worden, von Monteverdi und Gluck, von Rilke und Cocteau, von Philip Glass und Margaret Atwood. Henry Masons Version der Geschichte, in der sich die Live-Musik des Komponisten und Darstellers David Baldessari mit einem vielfältigen Ton-Soundtrack mischt, entführt uns in den Kopf und die Gedankenwelt von Orpheus selbst und holt einen alten griechischen Mythos in all seiner Phantastik, Spannung und Tragik ins Heute.

 

Für alle ab neun Jahren!

 

Stück, Regie und Ausstattung: Henry Mason / Spiel und Komposition: David Baldessari

 

 

Theatermacher Henry Mason inszeniert im Linzer Theater des Kindes seine Neuerzählung des griechischen Heldenmythos „Orpheus“. Die Uraufführung holte sich großen Beifall. David Baldessari ist brillant als Sohn einer Muse, der sich in Eurydike verliebt. (...)
Die Geschichte über Orpheus und Eurydike ist schon 3000 Jahre alt. Henry Mason legt den Kern der Story frei und spannt ihn ohne Übertreibung oder erzwungene Coolness in einen heutigen Rahmen. (...) Baldessari ist Erzähler mit gutem Tempo und er erlebt zugleich die Abenteuer, hingebungsvoll spielend, mitreißend in diesem Kosmos poetisch purer Gefühle! Der Funke springt rasch ins junge Publikum über. Er ist ein Held im Hier und Jetzt. Und so bangt man mit ihm mit und hält sich an der Kraft der Liebe und der Musik fest. Ein tolles Stück!

Kronen Zeitung, 25.1.2020

Fantastische Reise in die Mythologie: Henry Masons „Orpheus“ findet großen Anklang
(...) Der mythologische Stoff „Orpheus“ trifft in der Version des Texters, Regisseurs und Ausstatters Henry Mason auch zielsicher die Welt der Kinder. Trauer, Sehnsucht, Liebe und vor allem die Begegnung mit dem Tod führen auf der Bühne mit Live-Musik des Komponisten und großartigen Darstellers David Baldessari in die griechische Mythologie. (...)
Mason ... gelingt ein wunderschöner sprachlicher Duktus, in dem er für Kinder gut verständlich Probleme lösen kann und trotzdem eine griechische Geschichte erzählt. Die fünfzig Minuten sind eine spannungsgeladen erzählte und gesungene alte und doch auch neue Geschichte.

Neues Volksblatt, 25.1.2020

Henry Masons Klassikerbearbeitung "Orpheus" im Theater des Kindes: spannend, witzig, tief bewegend.
Orpheus hat lange gebraucht, um die Melodie des Lebens zu finden. Der hochbegabte Sohn des griechischen Gottes der Musik, Apoll, entdeckt sie erst in einem Menschen, Eurydike (...) Am Hochzeitstag passiert das Unfassbare: Eurydike stirbt. (...) Mit seiner Frau hat Orpheus auch sich selbst, seine Melodie, verloren. Er reist in die Unterwelt.
Das ist die Folie, vor deren Hintergrund Henry Mason in seiner Klassiker-Neufassung existenzielle Fragen des Lebens für Kinder ab neun Jahren im Theater des Kindes neu verhandelt: Liebe, Abschied, Loslassen, Neubeginn. Wer glaubt, diese Fragen seien Kindern in diesem Alter nicht zuzumuten, der irrt. Aber gewaltig. (...)
Das alles erzählt Mason mit einfachen, kraftvollen, tief berührenden Bildern. David Baldessari ist als Orpheus in Höchstform, kraftvoll, sanft, humorvoll, suchend. Er lässt keine Sekunde Langeweile aufkommen, unterstützt durch eingespielte Tonaufnahmen anderer Figuren – und seine E-Gitarre. Die Musik hat er selbst geschrieben, jede einzelne der 50 Theaterminuten ist sorgfältig durchkomponiert. So gelingt es, in Sekundenschnelle atmosphärische Räume zu schaffen und zwischen ihnen zu wechseln. Dieses Stück ist ein Erlebnis, für Kinder und Erwachsene.
Fazit: Eine kurzweilige, rasante und tiefgehende Parabel um Abschied, Loslassen und Neubeginn.

OÖNachrichten, 25.1.2020

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David Baldessari als Orpheus (c) Kurt Hörbst
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GUYS AND DOLLS

Musik und Liedtexte von Frank Loesser
Buch von Jo Swerling und Abe Burrows
Deutsche Dialoge von Henry Mason

Inszenierung: Henry Mason * Musikalische Leitung: Marcus Merkel * Bühne: Hans Kudlich * Kostüm: Daria Kornysheva * Choreografie: Francesc Abós * Licht: Guido Petzold

 

mit Christof Messner (Sky Masterson), Johanna Spantzel (Sergeant Sarah Brown), Rob Pelzer (Nathan Detroit), Bettina Mönch (Miss Adelaide), Christoph Scheeben (Nicely-Nicely-Johnson), Mathias Schlung (Benny Southstreet), John F Kutil (Big Jule) u.v.a.m.

 

> mehr zur Produktion 

 

 

Henry Masons Liebeserklärung an "Guys and Dolls"

 

Es gibt Theaterstücke, denen du als Kind begegnest, die so betörend sind, dass du dich hoffnungslos in sie verliebst. Sie werden Teil der eigenen Geschichte und verändern deine Sicht auf die Welt. Manchen dieser Stücke begegnest du nun als Erwachsener wieder – und wirst entzaubert. Was an dem verzückten Kind wie ein Rausch vorüberzog, das betrachtest du zurückgelehnt und erkennst kritisch – und ein wenig reumütig – die Schwächen und Ungereimtheiten des Werks.

 

Zum Glück gibt es ein paar Theaterstücke, in die man auch als Erwachsener verliebt bleiben kann. Ein solches ist für mich Frank Loesser und Abe Burrows‘ Musical „Guys and Dolls“. Ich hatte das Glück, Anfang der 80er Jahre Richard Eyres Produktion im Londoner West End zu erleben. Es war das erste große Musical, das ich je gesehen hatte, eine neonbunte Explosion von Komik, Tanz, Romantik und Adrenalin – da war es um mich geschehen. 

 

1950, am Höhepunkt der goldene Ära des Broadwaymusicals, entstanden, ist „Guys and Dolls“ eine der brillantesten „musical comedies“ aller Zeiten, mit glorreicher Musik und witzigen, pointierten Liedtexten. Und ich sehe das ganz objektiv. Gekonnt prallen in diesem elegant konstruierten Plot unvergessliche Gestalten aufeinander. Wer setzt aufs richtige Pferd – und bedeutet das Risiko oder Sicherheit, Glück oder Gefängnis, Himmel oder Hölle? Die Glücksspieler, Gangster und Showgirls, die das Stück bevölkern, entspringen übrigens den New Yorker Kurzgeschichten von Damon Runyon, dessen lakonischer Humor den Dialogen eine unverwechselbare Note leiht.

 

Wenn ich an „Guys and Dolls“ denke, denke ich an das furiose Ballet der Glücksspieler im Abwasserkanal unter Manhattan und ihre hinreißende, überraschende Gospelnummer bei der Gebetsstunde der Heilsarmee; an das tragikomische Lamento der von chronischem psychosomatischem Schnupfen geplagten Nachtclub-Stripperin Adelaide und an Nathan Detroit, ihrem Hochzeitsphobiker von Verlobten; an die zugeknöpfte Missionarin Sarah Brown, die herrlich beschwipst die Tanzflächen von Havana unsicher macht; an die entwaffende Liebeserklärung des hartgesottenen Glücksspielers Sky Masterson: „I’ve never been in love before, now all at once it’s you, it’s you for evermore...“ 

 

Es ist nicht schwer, sich in „Guys and Dolls“ zu verlieben. Um es mit einem Stückzitat zu sagen: „More I cannot wish you“.

Stürmisch beklatschter Broadway-Klassiker an der Grazer Oper: "Guys and Dolls" ist die Musical-Produktion dieser Saison. Aber Achtung! Mit möglichen Nebenwirkungen. Sie könnten das Haus mit einem Lächeln und Ohrwürmern wie "Luck Be A Lady" summend verlassen. (...)
„Guys and Dolls“ (...) vermag alle Trümpfe des Broadway-Klassikers mit brillanter Besetzung auszuspielen. Was an der lustvollen musikalischen Leitung von Marcus Merkel (...), der mit Respekt der Vorlage dienenden Regie (Henry Mason) und Bühne (Hans Kudlich), dem Schauerlebnis der Kostüme (Daria Kornysheva), der blutvollen Choreografie (Francesc Abos), dem klugen Lichtdesign (Guido Petzold) und der hinreißenden Besetzung liegt.
Stürmischer Applaus mit Standing Ovations nach einem köstlichen Schlussgag für eine Musical-Comedy, die man hierzulande endlich wiederentdecken darf. Buch und Musik verströmen Leichtigkeit mit Tiefgang.

Kleine Zeitung, 12./13.1.2020

Fulminante Erstaufführung in der Oper: Grazer Fans bejubeln die „Guys and Dolls“-Premiere
Das 50er-Jahre-Musical von Frank Loesser stieß auf Mega-Beifall beim Publikum.
Am Samstag wurde das wunderschön ausgestattete Musical im aktuellen 50er-Jahre-Vintage-Style an der Grazer Oper zum ersten Mal gespielt. Vom ersten Takt an konnten die Besucher spüren, dass Regisseur Henry Mason ein glühender „Guys and Dolls“-Verehrer ist. Mason, der ebenfalls mit dieser Inszenierung sein Debut an der Oper Graz beging, belässt das Musical in der Zeit seiner Entstehung. Mit schnellen Ortswechseln, authentischen Kostümen und viel Romantik bringt er den Broadway nach Graz.

Österreich, 13.1.2020

Perfekte Zeitreise in die 1950er: Henry Mason zeigt eine perfekt gemachte Musical-Produktion. Da stimmt das Tempo, da knallen die Dialoge, und die Tanzszenen (Choreograf Francesc Abós hat sich viel einfallen lassen) reißen einen förmlich vom Hocker. Von den sympathischen und stimmlich überzeugenden Darstellern ganz abgesehen.

Kronen Zeitung, 13.1.2020

Dem Opernhaus in Graz gelingt es immer wieder, hochwertige Musicalinszenierungen zu produzieren. "Guys and Dolls" ist so ein Fall. Ein Abend, den man so bald nicht vergessen wird. Henry Mason führt eine umsichtige, präzise Regie und kann mit Schauspielern gut arbeiten, jedenfalls große Spielfreude initiieren. (...) Besonders beeindruckend ist die dynamische, facettenreiche Choreographie von Francesc Abós. (...) Ein sehr vergnüglicher, amüsanter Abend.

Kurier, 21.1.2020

Guys and Dolls, in Graz mit englischen Songs und Dialogen in deutscher Sprache aufgeführt, gilt allgemein als Muster- und Meisterstück des amerikanischen Musicals alten Stils der 50-er Jahre, braucht aber, anders als etwa der Klassiker Kiss me Kate, keine Aktualisierungskniffe, um heute noch so wirkungsmächtig zu sein wie zur Entstehungszeit. Die in Hans Kudlichs Bühne konzentriert eingefangene Atmosphäre im New York der schrägen 50er Jahre (...) wird von Regisseur Henry Mason in rasanten Szenenwechseln und mit einem starken Sinn für die liebevolle Zeichnung der Hauptpersonen mit pulsierendem Leben erfüllt. (...)
Das gesamte Ensemble – Sänger, Chor, Ballett und Statisterie – zeigt sich höchst motiviert, perfekt vorbereitet und blendend gelaunt. (...) Die Grazer Philharmoniker unter der musikalischen Leitung von Marcus Merkel erweisen sich als ein gewandtes und im Cross-over äußerst versiertes Orchester. Sie spielen fein à la carte. Und diesmal steht eben nicht Oper oder Operette auf dem Speiseplan, sondern Musical. Und was da geboten wird, schmeckt in der Tat vorzüglich. Einhellige stehende Ovationen. Von Gourmets ebenso wie von Gourmands. – Guys and Dolls: Das wird ein Renner.

Onlinemerker, 12.1.2020

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Johanna Spantzel (Sarah Brown) und Ensemble (c) Werner Kmetitsch

2019

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DER HASE MIT DEN BERNSTEINAUGEN

Musical nach dem gleichnamigen Buch von Edmund de Waal
Buch und Liedtexte von Henry Mason
Musik von Thomas Zaufke

Mason und Zaufkes Musical von Edmund de Waals Bestseller „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ gewann 2019 beim Deutschen Musical Preis in vier Kategorien: Beste Liedtexte (Henry Mason), Beste Komposition (Thomas Zaufke), Beste Orchestrierung (Markus Syperek) und Bestes Musical!

 

Mehr Produktionsfoto von Reinhard Winkler gibt's hier und eine Nachlese zur Uraufführung hier!

 

Edmund de Waal erzählt in seinem Bestseller „Der Hase mit den Bernsteinaugen“, 2010 erschienen, die Geschichte seiner Vorfahren, der jüdischen Familie Ephrussi, der viele Bankiers und Kunstmäzene entstammten. Zum schillernden Ausgangspunkt wird dabei eine Sammlung von Netsuke, japanische Miniaturschnitzereien, die das einzige sind, was von der umfassenden Kunstsammlung der Familie nach der "Arisierung" des Eigentums geblieben ist. Mit den Netsuke begibt er sich zu den Orten der Familie, reist nach Odessa, nach Tokio, taucht ein in das Paris der Belle Époque und in das Wien der Wende zum 20. Jahrhundert. Es ist die bewegende Geschichte einer einzigartigen Kunstsammlung, zugleich eine fast zwei Jahrhunderte umfassende Chronik eines gigantischen Aufstiegs und tragischen Niedergangs, eine Geschichte über die Kunst des Impressionismus, den Antisemitismus, über Besitz und Verlust, über das Leben der Dinge und die Fortdauer der Erinnerung. 

Henry Mason hat die wichtigsten und bewegendsten Stationen dieser umfassenden Spurensuche zu einem Libretto verdichtet. Er stellt dabei das Tokio von 1950, das Wien von 1930, das London von 2009 und das Paris von 1880 nebeneinander und lässt somit Angehörige der Familie Ephrussi über Jahrzehnte hinweg miteinander in Dialog treten.

Thomas Zaufke schrieb eine vielfarbige Partitur in einem zeitgenössischen Musicalstil, berücksichtigt dabei durch dezent eingeflochtene musikalische Referenzen aber auch das große zeitliche und örtliche Spektrum der Geschichte. Es finden sich in der Partitur somit Anklänge an russisch-jüdische Folkore, französischen Impressionismus, Musik des Wiener Fin de Siècle aber auch Foxtrott, Charleston und vieles mehr.

 

Eine Auftragsarbeit für das Landestheater Linz 

 

Inszenierung: Henry Mason * Choreografie: Francesc Abós * Ausstattung: Jan Meier * Dramaturgie: Arne Beeker

mit Christian Fröhlich,  Riccardo Greco, Hanna Kastner, Carsten Lepper, Wei-Ken Liao, Anais Lueken, William Mason, Christof Messner, Myrthes Monteiro, Gernot Romic, Ariana Schirasi-Fard, Lynsey Thurgar u.a.m.

Der letzte Ton war noch nicht ganz verklungen, schon erhob sich das gerührte Publikum zu Standing Ovations und riesigem Jubel.

OÖ. Volksblatt

Henry Mason, der den Weltbestseller "Der Hase mit den Bernsteinaugen" dramatisierte und Regie führte, ist ein Meister des Geschichtenerzählens und hat hundert kleine Kniffe parat, wenn es darum geht, zwischen Zeiten, Orten und Generationen zu wechseln. … Thomas Zaufke schuf die fantastische Musik zum Stück, mit flotten Ohrwürmern. … Edmund de Waal hat eine große Geschichte geerbt, die am Landestheater klug und gefühlvoll verpackt wurde. Unbedingt hingehen!

Kronen Zeitung

Es fühlt sich auch am Tag nach der Uraufführung alles noch gut an. Da kommen wieder die Emotionen hoch, als nach dem letzten Vorhang der Autor Edmund de Waal auf die Bühne des Linzer Schauspielhauses geholt wird und Rotz und Wasser flennt, weil ihm die Musical-Version seines Bestsellerromans "Der Hase mit den Bernsteinaugen" sein eigenes (Familien-)Leben so klar, so deutlich und so mitreißend vor Augen geführt hat. … Dass der Stoff auf Theaterbrettern funktioniert, ist das Verdienst von Henry Mason. Seine Detailliebe, Empathie und Unkompliziertheit haben zu diesem vielbejubelten und künstlerisch hochwertigen Musicalwurf verholfen. … Fazit: Ein Musical-Abend fürs Feinstoffliche. Mit viel Herzblut und Liebe inszeniert, komponiert und schauspielerisch dargereicht.

„Es ist eine außergewöhnliche Erfahrung, das Leben meiner Familie vorgespielt zu bekommen. Ich habe die ganze Lebensgeschichte noch einmal erlebt. Ich bin sehr stolz auf diese Menschen hier, die diesen Mut gehabt haben und das Risiko eingegangen sind. Diese Produktion soll unbedingt auch in Wien, Paris, New York gezeigt werden. Ich bin sehr glücklich.“
Edmund de Waal im Gespräch mit Helmut Atteneder

OÖNachrichten

Edmund de Waal, Autor des Weltbestsellers "Der Hase mit den Bernsteinaugen" (2011), war Samstag sichtlich beglückt. Die Besucher des im Linzer Schauspielhaus uraufführten Musicals waren es auch – und konnten es sein. Denn das Auftragswerk des Landestheaters Linz überzeugt … vor allem durch eine großartige Ensemble-Leistung. Ideenreich und inspiriert: die Regie von Henry Mason.

Kurier

Große Melodien, große Geschichte, große Emotionen: „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ beeindruckt.
Ein Weltbestseller erobert die Musicalbühne: Mit eingängigen Melodien, viel Witz, ein Wechselbad der Gefühle, eine große Geschichte verständlich auf die Bühne gebraucht: Den Machern Henry Mason und Thomas Zaufke ist ein kleines Meisterwerk gelungen (...)
Ist der erste Teil des Musicals noch ein spritziges, mit viel Wortwitz gespicktes, fast leichtes Musical-Stück, ist es gerade der zweite Teil von „Der Hase mit den Bernsteinaugen“, der bleibenden Eindruck hinterlässt und teils den Hals zuschnürt. In sich stimmig, tief emotional und mit Melodien, die auch lange nach Ende gesummt werden wollen. Standing Ovations sowohl bei Preview als auch Premiere. Unbedingt empfehlenswert!

TIPS

Sensationeller Erfolg für das Linzer Landestheater: Seine Musicalproduktion „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ ist beim Deutschen Musical-Preis am Montagabend im Rahmen einer Gala in Schmidts Tivoli in Hamburg als bestes deutschsprachiges Musical ausgezeichnet worden. Es konnte die Jury zudem mit der besten Komposition (Thomas Zaufke), den besten Liedtexten (Autor und Regisseur Henry Mason) und dem besten musikalischen Arrangement (Markus Syperek) überzeugen. Die Produktion, die heuer im April am Landestheater uraufgeführt wurde, konnte ihre fünf Nominierungen somit in vier Preise verwandeln ... Insgesamt wurden Preise in 14 Kategorien vergeben. Das prämierte Musical basiert auf dem gleichnamigen Buch von Edmund de Waal und dreht sich um die Geschichte seiner jüdischen Wiener Familie.

Seit 2014 wird der Deutsche Musical Theater Preis im deutschsprachigen Raum vergeben und erstmals wurde mit Linz ein Theater zum zweiten Mal in der Kategorie „Bestes Musical“ ausgezeichnet: Bereits 2017 war nämlich die Linzer Uraufführung „In 80 Tagen um die Welt“ mit sechs Auszeichnungen der große Gewinner.

„Wir sind voller Freude über die Preise und Resonanz, die auch unsere zweite Musical-Uraufführung ,Der Hase mit den Bernsteinaugen' hervorgerufen hat. Ein Beweis und Ansporn für uns, am Landestheater auch weiterhin das Genre Musical in all seinen Facetten und auf höchstem Niveau dem Publikum zu präsentieren“, so Musicalchef Matthias Davids in einer ersten Stellungnahme.

OÖNachrichten, 8.10.2019

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Edmund (Christof Messner), Alter Iggie (Klaus Brantzen) (c) Reinhard Winkler

2018

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JANNIK UND DER SONNENDIEB

Ein Wintermärchen von Henry Mason für alle ab 6 Jahren

Ein Stückauftrag für das Stadttheater Klagenfurt 2018/19

 

mit Sophie Bartels, Matthias Krispin Bucher, Joe Ellers, Doris Hindinger, Alexander Jagsch, Daniel Jeroma, Heike Kretschmer und Markus Weitschacher

 

Bühne von Vinzenz Gertler * Kostüme von Anna Katharina Jaritz * Musik von Matthias Krispin Bucher

 

 

Tief im Norden liegt im Schatten der Zitterberge Janniks kleines Dorf. Dort feiern die Menschen am kürzesten Tag des Jahres das Fest der Langen Nacht, mit Glühwein, Tanz und Gesang. Heuer soll Jannik, der jüngste im Dorf, die Jahreskerze anzünden, die die Sonne heimruft und dem Frühling den Weg bereitet.

 

Aber da geschieht etwas Verheerendes. Das Ritual geht schief: Jannik schafft es nicht, die Jahreskerze anzuzünden. Denn ein geheimnisvoller Dieb hat die Sonne an sich gerissen und ist mit ihr in die Dunkelheit der Arktis geflüchtet. Der Jahreskreislauf ist unterbrochen: Alle Uhren bleiben stehen und keine Feuer wärmt mehr. Angst und Verzweiflung machen sich breit. 

 

Jannik, der sich für das Unglück verantwortlich fühlt, flüchtet aus dem Dorf und macht sich in Begleitung der temperamentvollen Polarfüchsin Ainuska auf die Suche nach dem Sonnendieb. Eine Spur goldener Tränen führt die beiden in den hohen Norden, wo ihnen die seltsamsten Gestalten begegnen: die mächtige Kälte, der überdrehte Hunger, das schillernde Nordlicht – und die dummen, gefährlichen Trolle, die am Trollpass ihr Unwesen treiben. 

 

Schließlich kämpfen sich Jannik und Ainuska vor in den Kerker des Nachtpalastes, wo sie hoffen, die Sonne zu finden, ohne die nicht nur Janniks Dorf, sondern die ganze Welt erfrieren muss...

 

Was es mit dem rätselhaften Sonnendieb auf sich hat, wie Jannik die Sonne rettet und alle im Land der Kalten Steppe vor dem ewigen Winter bewahrt, davon erzählt Henry Masons neues Stück, ein etwas anderes Weihnachtsmärchen, das an alte Mythen von der Wintersonnenwende erinnert. Gespickt mit reichlich Poesie, Humor und Musik ist diese spannende, urtümliche Geschichte über die Wiederkehr des Lichtes ein Fest für die ganze Familie – nicht nur für die Kleinen.

 

Mit Henry Masons Wintermärchen ist dem Stadttheater Klagenfurt ein reizender Einstieg in die Weihnachtszeit gelungen. Das liegt natürlich an der Geschichte, welche verdeutlicht, das auch die finsterste Nacht nicht ewig währt; aber auch die Protagonisten überzeugen mit Versiertheit und Spielfreude. Das Bühnenbild (Vinzenz Gertler), die folkloristischen Kostüme (Anna Katharina Jaritz) und der geschickte Einsatz von Licht befflügelten die Fantasie von Groß und Klein. Mathias Krispin Bucher sorgte mit einer Vielzahl von Instrumenten (vom Akkordeo über den Kontrabass bis hin zur Trommel) für den letzten Schliff. Am Ende war der Saal von einer vorweihnachtlichen Stimmung erfüllt.

Kleine Zeitung

Man nehme Liebe, Hoffnung, Freundschaft und gebe dazu viel Glimmer und Kunstschnee, eine anmutige Polarfüchsin, Trolle sowie die Sterne am Himmel: Was herauskommt, ist „Jannik und der Sonnendieb“, ein bezauberndes Theaterstück für alle ab sechs Jahren, das wohl noch über Weihnachten hinaus leuchten wird.
Jannik (junger Held mit festem Auftritt: Josef Ellers) kann es nicht fassen: Als er in seinem Dorf im Kreis seiner Lieben zur Langen Nacht der Wintersonnenwende die Winterkerze anzünden soll, klappt es nicht – alles Licht ist verschwunden. Ein Dieb hatte die Sonne entführt. Mit Hilfe von Füchsin Ainuska (Sophie Bartels erweckt die sofort zum Kinderliebling avancierte Puppe auf der Bühne zu echtem Leben) folgt Jannik den Sonnentränen bis zum Nachtpalast, wo sich neben der eitlen Illuminiertheit (charismatischer Glitzerfürst Alexander Jagsch) auch Trollvolk (großartig wandlungsfähig Doris Hindinger) und Befindlichkeiten wie Hunger und Kälte einstellen. Nur gemeinsam gelingt es, die Sonne zu befreien und der Welt das Licht zurückzubringen, musikalisch alles feinst untermalt von Mathias Krispin Bucher. Wenn strahlende Kinderaugen ein Erfolgsbarometer sind, dann wird das Auftragswerk des Stadttheaters Klagenfurt einer.

Kronen Zeitung

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Jannik (Joe Ellers), die Kälte (Doris Hindinger) (c) Arnold Pöschl
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CAROUSEL

Musical von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II
Deutsch von Henry Mason

Fußballfans kennen ihn in- und auswendig – den Song „You'll Never Walk Alone“. Seit über 50 Jahren gilt die Nummer in der Interpretation der britischen Popband „Gerry & the Pacemakers“ als die ultimative Fußballhymne. Dabei wissen wahrscheinlich nur die wenigsten, dass das Lied eigentlich von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II – den erfolgreichsten Musical-Autoren der 40er und 50er Jahre stammt und für das Musical "Carousel" entstand. Am 19. April 1945 wurde es am Broadway uraufgeführt und über zwei Jahre vor vollem Haus gespielt. Die tragische Liebesgeschichte von Billy Bigelow und Julie Jordan basiert auf Molnárs Bühnenstück „Liliom“.

1972 holte Marcel Prawy „Carousel“ an die Volksoper Wien, 46 Jahre später setzt Regisseur Henry Mason den Klassiker in seiner eigenen Übersetzung gemeinsam mit seinem Ausstatter Jan Meier in Szene. Das Regieduo hat an der Volksoper bereits 2014 die Erfolgsproduktion„Der Zauberer von Oz“ erarbeitet und trifft nun erstmals auf Musicalspezialisten Joseph R. Olefirowicz am Pult des Volksopernorchesters. In der Titelpartie gibt Daniel Schmutzhard als Karussell-Ausrufer Billy Bigelow sein Musicaldebüt, Mara Mastalir singt seine Julie. Premiere am 17. März 2018, Folgevorstellungen bis 22.April.

(Werbetext Volksoper Wien)

Eines muss man der Wiener Volksoper lassen. Unter der Direktion von Robert Meyer hat sich das Haus am Gürtel in den vergangenen Jahren eine absolute Kompetenz in Sachen klassisches Musical erarbeitet. Eine szenische wie musikalische Souveränität, die auch bei dem Broadway-Hit „Carousel“ von Richard Rodgers (Musik) und Oscar Hammerstein II (Buch) zum Tragen kommt.
Denn es ist alles andere als einfach, dieses auf Ferenc Molnárs „Liliom“ basierende Werk auf die Bühne zu bringen. Regisseur Henry Mason – er ist auch für die gute, deutschsprachige Fassung verantwortlich – und seinem Team gelingt das aber über weite Strecken sehr zwingend. In der geschmackvollen Ausstattung von Jan Meier (es gibt etwa ein Karrussell, Meereslandschaften oder einen Sternenhimmel) kann sich die Geschichte ... gut entfalten ... Insgesamt eine kluge Umsetzung, die auch dank der Choreografie (Fransesc Abós) sehr stimmig ist. ... Bleibt nur zu hoffen, dass sich dieses Karussell noch lange dreht.

Kurier, 19.3.2018

Als Marcel Prawy das Musical 1972 als deutschsprachige Erstaufführung an der Volksoper herausbrachte, war’s eine Pleite. Umso mehr überrascht Henry Masons überaus erfolgreiche Produktion. Seine Inszenierung ist klarlinig, schlicht, unterhaltsam. Liebenswert. Harm-, aber nicht charmelos.

Kronen Zeitung, 19.3.2018

Glänzende Volksopern-Premiere von "Carousel" in der Inszenierung von Henry Mason

Die deutschsprachige Erstaufführung von Rogers & Hammersteins Musical "Carousel" an der Wiener Volksoper war 1972 ein veritabler Flop, obwohl dieses Stück nach Ferenc Molnárs Vorstadtlegende "Liliom" am Broadway und in London höchst erfolgreich war. Am Samstag war wiederum Premiere, diesmal in der Inszenierung von Henry Mason, die alles andere als ein Flop war. Ganz im Gegenteil, die Volksoper erzielte einen glänzenden Premierenerfolg.
"Carousel" ist das zweite Musical des Broadway-Dreamteams der 40er- und 50er-Jahre und stellte selbst diese absoluten Theaterprofis vor große Herausforderungen. Denn "Liliom" ist kein einfaches Stück, sondern höchst vielschichtig, was sich auch an den musikdramaturgischen Mitteln zeigt. So gibt es große Arien genauso wie pantomimische Ballettszenen und den üblichen Vaudeville-Klamauk. Eigentlich ein wüstes Konglomerat, für das es eine geschickte Hand braucht, das zusammenzuhalten.
Das ist Henry Mason in der prachtvollen Ausstattung von Jan Meier und mit der hinreißenden Choreografie von Francesc Abós mehr als nur gelungen. Mason hat gar nicht versucht, die Geschichte in die heutige Zeit zu verlegen, obwohl es massenhaft Bezüge gibt, sondern lässt sie im leicht verstaubten Mief der 40er-Jahre. ... Henry Mason hat hier ganze Arbeit geleistet, und ein Stück ohne sichtbare Aktualisierung für das Heute greifbar werden lassen, ohne dabei auf Sentiment und Unterhaltung zu verzichten. ... Ein fulminant langer, aber auch ebenso unterhaltsamer Abend. Sechs von sechs Sternen.

OÖ Nachrichten, 19.3.2018

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Daniel Schmutzhardt (Billy) (c) Barbara Pálffy

2017

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KUNO KANN ALLES

Kinderstück für alle ab 4 von Henry Mason

 

Kuno kann alles, das glaubt zumindest Kuno. Nicht nur Zirkustricks, Kung Fu und hundert Kugeln Eis auf einmal essen, sondern auch Ungeheuer erfinden. Drachen zum Beispiel: grüne Drachen, die Feuer speien und in dunklen Höhlen hausen. 

 

Karo hingegen kann nichts Besonderes, das glaubt zumindest Kuno. Aber weil sie Kunos beste Freundin ist, muss sie unbedingt mit von der Partie sein, wenn Kuno loszieht, um diesen Drachen zu fangen. Und so beginnt eine abenteuerliche Reise, durchs Abwasserrohr in den Wald, den Fluss entlang und den geheimnisvollen Drachengletscher hoch. Kunos Fantasie bringt die beiden dabei in ganz schöne Schwierigkeiten. Zum Glück hat Karo immer ihre Siebensachen mit...

 

Eine Geschichte über verborgene Schwächen und ungeahnte Talente und darüber, wie wichtig Freunde sind – vor allem, wenn man von einem wütenden Drachen durch den Wald gejagt wird.

 

Es spielen Matthias Hacker und Simone Neumayr, in einer Inszenierung mit Musik von David Wagner und ausgestattet von Michaela Mandel.

Dieser Kuno kann Kindertheater: Uraufführung von Henry Masons "Kuno kann alles" für Kinder ab 4 im Theater des Kindes.

Zwei Stecken und ein Haufen Fantasie – das ist alles, was es braucht, und Kinder tauchen in die wunderbarsten Welten ein. Wenn es zwei Schauspieler gibt, die Stecken zu einem bekletterbaren Gerüst veredelt wurden und die Fantasie von Henry Mason im Spiel ist – dann dürfen die Erwachsenen gleich miteintauchen in eine Welt, in der Drachen und Abenteuer locken.
"Kuno kann alles" heißt das Stück von Henry Mason für Kinder ab vier Jahren, das am Freitag im Theater des Kindes seine Uraufführung erlebte. Kuno, das ist ein vorlautes, aber liebenswertes Kerlchen, ein Dauer-Quatschkopf mit großer Klappe, großen Plänen und kleinem Zuhör-Potenzial. Kuno kann Kung-Fu, 100 Kugeln Eis essen, ohne Bauchweh zu bekommen, und neue Eissorten erfindet er auch noch. Matthias Hacker versprüht ab Sekunde eins Energie, verbiegt sich, singt und zeigt sein komisches Talent nicht nur, wenn er Fliegen mit der Zunge fängt.
Ihm hinterher stapft Parade-Nerd Karo (Simone Neumayr): Brille, dicke Zöpfe, karierter Rock und ihren Koffer mit sieben Sachen im Schlepptau. Die Angst steht ihr ins Gesicht geschrieben, als Kuno ankündigt, das Ziel sei es jetzt, einen Drachen zu jagen. Weil erstens, er hat gar keine Angst, zweitens, er glaubt, Karo kann nichts Besonderes und drittens, Kuno kann doch eh alles!
Die Abenteuerreise auf dem, unter dem und in dem wandelbaren Klettergerüst, das Michaela Mandel konzipiert hat, ist eine turbulente, kurzweilige Angelegenheit, eine voll Witz und gewürzt mit jenen Slapstick-Einlagen, die junge Besucher so lieben. Die Älteren dürfen sich auch an den starken, einprägsamen Bildern und wunderbar altmodischen Tanzzitaten (Musik: David Wagner) erfreuen, in denen der Salzburger-Festpiel-erprobte Regisseur Henry Mason seine Darsteller immer wieder präsentiert.
Die erste Hälfte des Stücks spielt Neumayr ohne Worte und erzählt mit ihrer Körpersprache doch mehr als andere an einem Abend. Erst im Angesicht des Ungeheuers findet sie ihre und auch noch gleich die Drachensprache wieder, und die ist dann herrlich komisch. Am Ende ist klar: Kuno kann nicht alles, Karo viel mehr – und zu zweit klappt’s am besten.
Theater für die Kleinsten auf höchstem Niveau, auf das dürfen sich die Besucher im Linzer "Theater des Kindes" schon lange verlassen. "Kuno kann alles" ist wieder ein wunderbares Stück, herrlich gespielt und gewitzt inszeniert. Ein Stück, das auch die Kleinen nicht überfordert, sondern verständlich, schnörkellos und temporeich erzählt und einen vergnüglichen Theaternachmittag garantiert.

OÖ Nachrichten, 21.10.2017

Karo und Kuno erobern die Herzen

Regisseur Henry Mason hat sich für die kleinen Theaterbesucher ein tolles Stück ausgedacht. ... Dass Kuno fast alles und Karo so einiges drauf hat, sorgt für Vergnügen im Linzer Theater des Kindes. ... Am Ende geht es um Freundschaft, die am besten funktioniert, wenn jeder seine Talente einbringen kann. Und zu zweit meistert man brenzlige Situationen sowieso immer am besten. ...
Matthias Hacker als sympathischer Angeber und Simone Neumayr als anfänglich verzopfe Karo erobern sofort die Herzen der Zuschauer. Ausgestattet mit feinfühligem, cleverem, offenherzigem und spritzigen Spieltrieb sorgen sie für viele Lacher. Zudem glückt es, die Fantasiewelt, die sie durchklettern, -schwimmen und -kriechen ganz echt rüberzubringen. Eine tolle Inszenierung!

Kronen Zeitung, 21.10.2017

Autor und Regisseur Henry Mason ist eine köstliche Geschichte über Freundschaft für alle ab vier gelungen, die sich grandios steigert und in den Bann zieht. Die vielen Gags, mit denen das 50-minütige Stück gespickt ist, erheiterten am Freitag bei der Uraufführung nicht nur das kleine, sondern auch das große Publikum im Linzer Theater des Kindes. ...
Fantasie ist gefordert, wenn es ums Bühnenbild (Michaela Mandel) geht: Der Kletterturm mit den beweglichen Teilen wird spielend leicht zum stinkenden Abwasserrohr, zum Berg oder gar zum Drachen. Und David Wagner hat in bewährter Manier die locker-flockigen Songs dazu herausgehauen, von denen einige das Zeug zum Ohrwurm haben.
Und wenn es notwendig ist, dann hat auch Karo etwas zu sagen und Kuno ist schließlich beeindruckt und erkennt, dass man gemeinsam (fast) alles kann. Abgesehen davon hört man auch nicht jeden Tag einen Drachen sprechen. Mitreißend, unterhaltsam, freundschaftlich.

Neues Volksblatt, 21.10.2017

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Matthias Hacker als Kuno (c) Christian Herzenberger
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WIE MAN GÖTTER DÄMMERT

Komödie von Henry Mason

Uraufführung am 26.Juli 2017; Vorstellungen NUR bis 13.August 2017

Zur Kartenreservierung geht's hier >

 

mit Daniela Dett | Christian Graf | Matthias Hacker | Doris Hindinger | Alexander Jagsch | Simone Neumayr | Alfred Rauch | Rafael Schuchter | Barbara Spitz | Markus Weitschacher


Chor der Normalsterblichen: Maria Keplinger | Monika Lombardi | Fritz Pröll | Dominik Revertera | Maria Schmidt | Helene Schweitzer | Magdalena Weiß | Laura Kainberger

 

Die Götter von Asgard – unsterblich, reich und stur – haben ein Problem. Um nicht zu sagen: ein ganzes Heer davon. Familienzwiste und Intrigen, Attentate, Affären und der kalte Krieg mit den Eisriesen machen ihnen die Hölle heiß.

Doch als den Göttern die goldenen Unsterblichkeitsäpfel ausgehen und Baldur, der jüngste, glücklichste und geliebteste unter ihnen, von seinem eigenen Ende zu träumen beginnt, beschleicht sie die Angst vor einer endgültigen Götterdämmerung.

Zum Glück gibt es da Loki Lügenschmied, den göttlichen Handlanger, der tausend Tricks auf Lager hat und jede Herausforderung mit Witz, Charme und Tücke meistert. Doch auf wessen Seite steht der unberechenbare Loki wirklich? Wird er den Untergang der Götter aufhalten – oder beschleunigen?

Die Mythen der Wikinger, die Geschichten der nordischen Götter, sind vielfach in Vergessenheit geraten – zu Unrecht. Grotesk, bildgewaltig, berührend, urkomisch und tragisch zugleich ist diese wunderbare Mythologie. Neun Erzählstränge daraus hat Autor und Regisseur Henry Mason zu einer göttlichen neuen Komödie verwoben.

Eine starke Darstellerriege – ergänzt um einen Laienchor aus der Region, dem „Chor der Normalsterblichen“ – und ein fantasievolles Kreativteam hauchen im Sommer 2017 diesen wunderbaren alten Fabeln um Odin, Thor, Loki, Freya und Co. in der ehemaligen Färberei Halle der Kulturfabrik Helfenberg neues, unerwartetes Leben ein.

 

Mehr unter www.theaterinderkulturfabrik.at und auf Facebook 

 

Inszenierung: Henry Mason Bühnenbild Harald Bodingbauer Kostüme Anna Katharina Jaritz | Figurendesign und -coaching Rebekah Wild | Ton Franz Flieger Stögner Licht Johannes Rauter

Der Mensch hat seinen Göttern seit jeher einen Strauß menschlicher Sehnsüchte und Nöte in die Hand gedrückt. Götter sind zum Erhöhen da, damit wir nicht so erniedrigt dasitzen, wenn die Welt den Bach runtergeht. In Henry Masons vor Fantasie strotzender Komödie "Wie man Götter dämmert" hängen die Überirdischen selbst in den Seilen. Sie haben zu lange nichts anderes als ihre Eitelkeiten gepflegt. Aber mit der Unsterblichkeit ist es Essig, wenn die Äpfel der ewigen Jugend nicht mehr nachwachsen.

Mason hat die dreistündige Komödie (mit Pause) um die göttlichen Wikinger-Mythen auch selbst inszeniert. Am Mittwoch fand in Helfenberg die Uraufführung statt.

Eines vorweg: Das Ensemble ist ein Kraftwerk, das auf einer dem Publikum zugeneigten Rampe (Bühne: Harald Bodingbauer) Sätze, Pfiffigkeiten und triviale Witzchen ("Alles hat ein Ende, nur die Wurst ...") wie Blitze einschlagen lässt. Keine Anspielung auf aktuelle Machtstrukturen ist zufällig, alles ist als Metapher zu lesen, welch unglückliches Händchen der Mensch bei der Wahl seiner Götter hat.

Oben die Oberen – unten wir, der Kollateralschaden, der uns auf der Bühne als "Chor der Normalsterblichen" (Helfenbergs routinierte Laiendarsteller) vertritt. Halb Riese, halb Gott, ist Loki (Christian Graf) einer, dem weder die Welt noch der Himmel traut. Der Feuertrickser und Lügenpriester wird in der Götterfamilie nolens volens wieder aufgenommen. Sein Blutsbruder und Übervater Odin (Alfred Rauch) hat die Zügel schleifen lassen, aber zusammen mit seiner Frau Frigg (Doris Hindinger) und deren Sohn, dem sonnigen Baldur (Matthias Hacker), pressen sie Loki ins Team. Zur Hochzeit jubeln sie ihm aber doch statt der anmutig Ewige-Jugend-Äpfel produzierenden Goldhaar-Schönheit Freya (Daniela Dett) die überwuzelte Sigyn (Göttin der Treue/Barbara Spitz) unter, und Loki entlarvt sich alsbald als korruptes Gfrast. Freia-Dienerin Gullveig (Simone Neumayr) ist längst vom Riesen-König Thiassi (Markus Weitschacher) als Spionin eingeschleust. Da kann Thor (Alexander Jagsch) noch so den Hammer schwingen und der blinde Hödur (Rafael Schuchter) auf das Gute hoffen. Die Spirale dreht sich ob Lokis bestialischer Kinder (Schlange, Wolf und schreckliches Mädchen – allesamt prächtige Puppen von Rebekah Wild) in einer beklemmend trashigen Schlacht der Apokalypse entgegen. Ein wort- und spielverliebter Abend für Herz, Hirn und dickes Sitzfleisch. Viele applaudierten ausgelassen im Stehen.

OÖ Nachrichten, 28.7.2017

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Christian Graf als Loki (c) Klaus Huemer

2016

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FAMILIENGESCHÄFTE

(A Small Family Business)

Komödie von Alan Ayckbourn
Deutsch von Gottfried und Inge Greiffenhagen

Bühne und Kostüm Jan Meier

 

mit Nikolaus Barton, Martin Bermoser, Christian Graf, Tim Grobe, Horst Heiss, Alexander Jagsch, Raphaela Möst, Doris Prilop, Stefanie Katharina Schreiter u.a.m.

 

Jack ist einer, dem Moral und Werte noch etwas bedeuten. Als er die Möbelfirma seines Schwiegervaters übernimmt, ist er davon überzeugt, dass mittels harter Arbeit, Leistung, Fairness und Vertrauen das Familienunternehmen wieder florieren wird und er es ganz im Sinne seiner moralischen Grundsätze führen kann. Doch schon bald folgt die Desillusionierung: Sämtliche Familienmitglieder sind in dubiose, aber profitable Nebengeschäfte verwickelt. Um den guten Namen des Unternehmens zu schützen, muss Jack nun die kriminellen Machenschaften der Familie nicht nur decken, sondern sie auch noch unterstützen.

Dem Meister der britischen Satire dient hier die Familie als Modell einer Gesellschaft, die den Widerspruch zwischen Leistungsideologie und schamloser Selbstbereicherung nur noch zynisch und achselzuckend zur Kenntnis nimmt. Pointiert und mit galligem Humor führt Ayckbourn vor, wie die Familie den Charakter verderben kann und beweist einmal mehr, dass der familiäre Zusammenhalt mitunter nur so lange besteht, wie dabei Geld zu machen ist.

„Nie hat Ayckbourn klarer gemacht, um was es geht in der Menschlichen Komödie der Wolfsgesellschaft … Das Geschäft der Welt dreht sich um Sex und Mammon. Das dritte, die Macht, wollen nur wenige, Nummer eins und zwei aber so ziemlich alle. An dieser Erkenntnis zerbricht hier beim Small Family Business der letzte Schein von Moral, zerbrechen auch die älteren Werte – einer englischen (und jeder anderen) Durchschnittsfamilie von heute.“ (Theater heute)

Überaus dubios und famos gespielt: „Familiengeschäfte“ von Alan Ayckbourn am Stadttheater Klagenfurt. Ein Vergnügen mit finsteren Seiten.
(...) In der Inszenierung von Henry Mason ist man sofort mittendrin im Geschehen. In der Familie, somit in der Firma, was zügig auf einen Mafiaclan hinausläuft. Dafür hat Mason ein famoses Team um sich geschart. Wie Alexander Jagsch als Jack zunächst noch zögernd Prinzipien über Bord wirft, dann aber innerhalb von Minuten moralisch verfällt, das ist sehenswert. (...)
Ein wunderbar auf Prototypen (von Macher bis Abseiler) eingestelltes Ensemble bringt die Komödie mit beachtlichem Drive in die Pause (...) Nach drei Atunden Korruption kassieren die „Familiengeschäfte“ knackigen Applaus vom Premierenpublikum.

Kleine Zeitung, 30.4.2016

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DIE AUTOMATISCHE PRINZESSIN

Fantastische Fabeln aus 1001 Nacht

Ein Stück für alle ab 6 von Henry Mason

Bühne Michaela Mandel Kostüm Anna Katharina Jaritz Figuren- und Puppencoaching Rebekah Wild

 

mit Frank Engelhardt, Christian Graf, Claudia Kainberger, Sandra Lipp und Stefan Rosenthal

 

Geschichten über Geschichten über Geschichten: Shadiyyah und Mabubah helfen ihren exzentrischen Eltern, den gemeinsamen Wunderladen im Bazar von Bagdad zu führen. Als der Kalif aus heiterem Himmel allen Frauen und Mädchen öffentliche Tätigkeiten verbietet, werden die beiden Schwestern in die Flucht getrieben. So beginnt eine fantastische Reise in der Welt der 1001 Nacht, eine Welt von gigantischen Vögeln und Magnetbergen, Feuergeistern und bösen Zauberern, sprechenden Sitzmöbeln und fliegenden Teppichen, die sie auf den Grund des Ozeans und in die tiefste Wüste führen soll, zur sagenumwobenen Messingstadt selbst. Unterwegs aber entdecken sie ein schreckliches Komplott, das um jeden Preis verhindert werden muss. Der Schlüssel zu allem ist die geheimnisvolle automatische Prinzessin...

 

Regisseur und Autor Henry Mason begibt sich mit einem Ensemble von schlagfertigen Komödianten auf Entdeckungsfahrt in die Welt von Scheherezades Erzählungen. Mit viel Phantasie wird der wundersame Kosmos der »Tausendundeinen Nacht« mit wenigen Handgriffen zu theatralischem Leben erweckt. Zahllose ineinander verschachtelte Geschichten bilden ein herrlich komisches Labyrinth, aus dem die Erzähler selbst nur mit Müh und Not wieder herausfinden. 

Zauberhaft: „Die automatische Prinzessin“ im Theater der Jugend
In eine Zeit, in der es im Orient noch „schön war und friedlich und froh“, in der Teppiche fliegen konnten und Wünsche von einem Feuergeist aus der Flasche erfüllt wurden, entführt das Theater der Jugend in seiner neuen Produktion „Die automatische Prinzessin“ von Henry Mason, der sein an Geschichten aus „1001 Nacht“ angelehntes Stück am Freitagnachmittag in Wien zur Uraufführung brachte. (...) Für „Die automatische Prinzessin“ hat der geborene Brite Mason Motive aus den Erzählungen aus „1001 Nacht“ gewählt und kunstvoll ineinander verwoben. Was einst Prinzessin Scheherazade dem König erzählte, um von ihrer geplanten Ermordung abzulenken, wird im Theater der Jugend zu einem packenden Märchen (fast) fern jeglicher Blutrünstigkeit. (...)
Das fünfköpfige Ensemble schafft es mithilfe der liebe- wie fantasievollen Kostüm-Ausstattung von Anna Katharina Jaritz, blitzschnell zwischen mehr als zwei Dutzend Rollen zu wechseln. (...) Liebevolle Details wie etwa ein zu einer Möwe umgestalteter Kindergummistiefel, eine leuchtende Schatzkiste oder zu Schlangen umfunktionierte Seile komplettieren eine im wahrsten Sinne des Wortes zauberhafte Produktion, die den jungen Zuschauern (ab 6 Jahren) nicht nur die Mythen des Orients näherbringt, sondern auch ein starkes Frauenbild vermittelt. Langer Applaus für einen sehr gelungenen Abend.

APA/Tiroler Tageszeitung Online, 13.2.2016

Eben erst hat Henry Mason an der Wiener Staatsoper das persische Märchen „Fatima“ von Johanna Doderer inszeniert. Nun begibt er sich für das Theater der Jugend – in den letzten Jahren sein „Stammhaus“ – noch viel tiefer in die Welt orientalischer Phantastik, Mystik und Komik. Er hat eine Unzahl von Motiven aus „1001 Nacht“ zu dem überbordenden Stück „Die automatische Prinzessin“ zusammengefügt, das im Renaissancetheater mit triumphalem Erfolg herauskam.
Zu den bekannten Motiven – Aladins Wunderlampe ist ebenso dabei wie der fliegende Teppich (szenisch höchst drollig gelöst), scheußliche Fabeltiere und skurrile Verwandlungen – hat Mason eine eigene Geschichte geschaffen, die sich im Grunde vor allem um die Emanzipation dreht. (...)
Wie immer bei Henry Mason werden die Schauspieler bis auf äußerste gefordert: Unglaublich, dass er einen wahren Kosmos von Gestalten (Menschen plus Tiere, plus Geister) von nur fünf Darstellern verkörpern lässt! Die Blitzumzüge allein sind Meisterleistungen. Zauberhaft die beiden jungen Damen Sandra Lipp und Claudia Kainberger, wahre Temperamentsbomben. Herrlich in „allen Rollen“, ob jung, ob alt, ob gut, ob böse, ob ein Sofa, ob ein Automat, die Herren Frank Engelhardt und Stefan Rosenthal. Und dazu das Komiker-As des Abends: Christian Graf, köstlich schon als Mutter (auf dem fliegenden Teppich!), hinreißend als Dschinn, ganz in Gelb – der zeigt, was so ein Flaschengeist drauf hat!
Den Schauspielern kann man nur bestätigen: Wer in einer Henry-Mason-Inszenierung besteht, der wird auf seinem Berufsweg vermutlich auf keine unüberwindlichen Schwierigkeiten stoßen… Das Publikum empfing die Aufführung mit einem Jubelschrei.

Der neue Merker, 13.2.2016

Nein, das wissen nicht nur die Pixar-Studios: dass, was man für Kinder produziert, auch von Erwachsenen konsumiert wird, weshalb ein guter Film, ebenso wie ein gutes Theaterstück für Kinder, auf mehreren Ebenen funktionieren sollte. Henry Mason, der schon in der Vergangenheit für hervorragende Produktionen im Theater der Jugend verantwortlich gezeichnet hat und nun das von ihm nach Motiven der Geschichten aus „1001 Nacht“ gefertigte Stück „Die automatische Prinzessin“ selbst inszeniert, streut eine ganze Menge Verweise und Scherze für uns Begleitpersonen ein: den Witz vom Dschinn und dem Gin Tonic etwa. Oder den kurzen, wehmütigen Satz über die vergangene Schönheit Bagdads. Den die Kinder nicht verstehen werden, genauso wenig, wie sie ahnen können, dass „Die automatische Prinzessin“ auch als Kommentar auf die Rolle der Frau in der islamischen Welt gelesen werden kann.
Doch die Botschaft, wie denn die Unterdrückung von Frauen und Mädchen so funktioniert, kommt auch so an, da braucht man keine Nachrichten verfolgt zu haben: Im Mittelpunkt des Stücks stehen zwei Schwestern, die mit ihrer Mutter gemeinsam einen Laden im Bazar betreiben, ein ganz kurioses Geschäft ist das, mit allerlei Kostbarem und Seltsamem aus fernen Ländern, das der Herr Papa von seinen Reisen so mitgebracht hat. Ein heiteres Leben! Bis der alte Kalif stirbt. Der junge übernimmt die Macht – und verbietet als erste Amtshandlung den Frauen, Geschäfte zu führen. Sie seien zu zart, um Handel zu treiben und zu feilschen. Ja, so ist sie, die Frauenfeindlichkeit, sie nimmt, ob in Ost oder West, gern die Beschützerpose ein.
Nun wird es gefährlich, denn Papa ist noch auf Reisen, die Mädchen (Sandra Lipp und Claudia Kainberger) wollen sich nicht fügen, es folgt eine wilde Verfolgungsjagd durch die Palastwache, die darin gipfelt, dass die Wache sich vor den Mädchen erschreckt, einer von vielen kleinen, entzückenden Momenten, die diesen Theaternachmittag ausmachen, in dessen Mittelpunkt die automatische Prinzessin steht: Sie ist eigentlich ein Apparat, von einem Zauberer erschaffen, der sich vor lebendigen Frauen fürchtet – wieder eine Variante der Misogynie. Diese schnarrende, glitzernde Kreatur sagt zu jedem Mann, der ihr nahekommt: „Du bist mein Gott.“ Was auch den Feuergeist, eigentlich ein lieber Kerl, maßlos bauchpinselt.
Ein Sonderlob gebührt Bühne (Michaela Mandel) und Kostüm (Anna Katharina Jaritz), die eine orientalisch-okzidentale Wunderwelt hingezaubert haben, in der sich Pickelhaube mit Pluderhose, Monokel mit Turban mischt und ein altes Hippie-Gefährt als Bagdader Kramladen dient. Und den Schauspielern, von denen fast alle zeigen dürfen, dass man als Mann eine Frau, als Frau einen Mann darstellen kann, so natürlich, dass man sich etwa keine bessere Dalilah vorstellen kann als die von Christian Graf gespielte. Als ginge es auch auf dieser Ebene darum, die Quintessenz des Stücks zu verdeutlichen: dass es „egal ist, ob Mann, Frau, Sofa oder Feuergeist“ – also zumindest in einer Welt, in der es Feuergeister gibt und so ein Sofa in Wirklichkeit ein verwandelter Vater ist.

Die Presse, 14.2.2016

Zwei alte Männer mit bodenlangen Bärten behaupten, sie seien einmal junge Mädchen gewesen. Einen reizvolleren Beginn einer Theatervorstellung kann es nicht geben! Da hüpft das Transgender-Herz genauso, wie das Gehirn der Fantasy-Freunde bebt. Zugetragen haben sich die in der Folge erzählten Ereignisse in Bagdad in einer längst vergangenen Zeit, als es dem Kalifen einfiel, den Frauen der Stadt jede außerhäusliche Tätigkeit zu verbieten.
Die Flucht der Protagonistinnen führt entlang von Motiven aus den Märchen von Tausendundeiner Nacht an wundersame Schauplätze und zu seltsamen Begegnungen, die Henry Mason (auch Regie) zu einer prallen Geschichte zusammengebaut hat: ein Erlebnisparcours für Menschen, die von den Grenzen (z. B. der Realität) nur bedingt etwas halten.
Ein Schiffskapitän mit drei Meter Bauchumfang; eine Wäscherin mit fünf Meter Hüftumfang (Kostüme: Anna K. Jaritz); ein sprechender Kopf; ein Magnetberg, der den Segelschiffen in einer schönen Slapstickszene alle Nägel zieht; eine Schlangenhöhle; eine Wunderlampe mit Geist; fliegende Teppiche; Menschengulasch; ein sprechendes Sofa; der gigantische Vogel Rokh und die gefährlichen Wâk-wâk-Inseln: All das gehört zur Automatischen Prinzessin.
In Masons Neuverdichtung alter Fabeln liegt viel Potenzial. Das Stück haucht alten Motiven ganz cool neues Leben ein. Und es überwindet Grenzen: zwischen den Kulturen, den Geschlechtern, zwischen Mensch und Maschine, zwischen Realität und Fiktion.

Der Standard, 16.2.2016

Fliegende Teppiche, der Riesenvogel Rokh, eine Wunderlampe samt ausgeflipptem Dschinn, die verwunschene Insel Wak-Wak, die geheimnisvolle Messingstadt - Regisseur Henry Mason entfaltet im Theater der Jugend mit diesen Ingredenzien einen fantastisch-magischen Erzählraum.
Sein Stück "Die automatische Prinzessin", das zwei Schwestern auf eine wilde Reise durch einen wundersamen Orient schickt, ist frei erfunden, doch Regisseur und Autor Mason nimmt viele Anleihen bei der Märchensammlung "1001 Nacht". Der freie Umgang mit der Vorlage ist naheliegend, schließlich gibt es kein Original, vielmehr wurde die Geschichtenkollektion von vielen Erzählern über die Jahrhunderte hinweg erweitert, umgeschrieben - und prägt bis heute das Bild eines mythischen Orient.
Im Theater der Jugend genügen Mason wenige Mittel, um sagenumwobene Regionen heraufzubeschwören, dabei kommt Objekttheater effektvoll zum Einsatz: Ein umgestülpter Gummistiefel stellt eine Möwe dar, ein Seidenvorhang wird zum Monstervogel, ein Teppich auf Rädern wird zum Flugobjekt, leuchtende Fäden markieren den Meeresgrund. Im Zentrum der Bühne von Michaela Mandel steht ein wandlungsfähiger VW-Bus, der Gefährt, Wohnraum, Kaufmannsladen und vieles mehr darstellt.
Das fünfköpfige Ensemble, allen voran Christian Graf als exzentrischer Dschinn, verkörpert eine Vielzahl an Rollen. Die verschlungenen Handlungsfäden werden episch, also mit den Mitteln des Erzähltheaters, entwirrt. Die zweieinhalbstündige Aufführung ist überbordend, maßlos und nimmt schier unglaubliche Wendungen - und trifft damit die Faszination der Geschichten aus "1001 Nacht" punktgenau.

Wiener Zeitung, 17.2.2016

Ganz nach der Erzählweise von 1001 Nacht schuf Mason mit Versatzstücken aus diesem arabisch-indisch-persischen Klassiker ein Kaleidoskop von verschiedenen Geschichten, die höchst kunstvoll ineinander verwoben sind. Dabei verströmen die farbenprächtigen und zugleich witzigen Kostüme von Anna Katharina Jaritz mehr als nur einen Hauch orientalischer Romantik. Alleine das Bühnenbild und die Kostüme sind einen Besuch der Vorstellung wert. Sie sind reinstes Augenfutter, von dem man nicht genug bekommen kann. (...)
Der Subtext, in dem die Überzeugung transportiert wird, dass Mädchen und Frauen dem männlichen Geschlecht in nichts nachstehen und ihre Unterdrückung reine Willkür ist, kommt nicht mit dem pädagogischen Zeigefinger daher. Eingebettet in das turbulente Geschehen, das dem Ensemble ungezählte Rollenwechsel abverlangt, sind die Unternehmungen der beiden Kinder, die darauf abzielen, ein freies und unabhängiges Leben führen zu können, völlig plausibel. (...)
„Die automatische Prinzessin“ entführt in eine versunkene Welt ohne elektronische Gadgets, die so kraftvoll und pur wirkt, wie ihre schillernden Charaktere. Die Inszenierung macht Lust, selbst Abenteuer zu erleben und sei es auch nur beim Schmökern in den Geschichten von 1001 Nacht.

European Cultural News (Online Magazin), 17.2.2016

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Christian Graf, Claudia Kainberger, Sandra Lipp, Frank Engelhardt (c) Rita Newman